1. Django Reinhardts akustische Gitarren
2. Django Reinhardts elektrische Gitarren
3. Andere Gitarren
4. Django Reinhardts Verstärker
5. Für Anfänger
6. Buchempfehlung
7. Adressen
8. Saiten
9. Aktuelle Verstärker/Tonabnehmer

 

1. Django Reinhardts akustische Gitarren:

Django Reinhardt hat als akustische Gitarren hauptsächlich die 1932 von dem italienischen Gitarrenbauer und klassischen Gitarristen Mario Maccaferri für Henri Selmer, Paris entworfenen Gitarren benutzt (siehe auch obiges Foto bzw. die Informationen bei lutherie.net ). Diese Gitarren besitzen durch ihre spezielle Bauweise (u. a. eine bei einem Teil der Gitarren im Korpus eingebaute Klangverstärkung in Form eines Resonators aus Holz) einen ganz eigenen, sehr brillianten Klang und stehen eigentlich für den klassischen Django Reinhardt-Sound schlechthin. (Django Reinhardt selbst spielte m. W. jedoch keine Selmer mit internem Resonator.) Diese Gitarren wurden von 1932 bis 1952 gebaut. Nachdem Mario Maccaferri 1933 Selmer verlassen hatte (er war, was er leider zu spät bemerkte, von Selmer nur für sechs Monate unter Vertrag genommen worden), wurde das Design geändert: Nach dem Übergangsmodell "bouche ovale", das u. a. von Joseph Reinhardt gespielt wurde, etablierte sich das "klassische" Modell N° 807 "petite bouche", das Django von nun an hauptsächlich spielte. Seine letzte Gitarre mit der Seriennummer "503" war eine Selmer von 1940, die Django bis zu seinem Tod 1953 spielte und die sich heute in der Médiathèque der Cité de la Musique in Paris befindet. Sophie "Naguine" Reinhardt, die Wittwe von Django, hatte sie 1964 der Médiathèque zum Geschenk gemacht. An sich hätte, nach der Tradition der Manouches, das Instrument mit dem Tod Djangos, verbrannt werden müssen.


Nachdem er in den Fünfzigerjahren mit Gitarren aus Plastik experimentiert hatte, baute Maccaferri Anfang der Siebzigerjahre in Zusammenarbeit mit Ibanez noch einmal eine (wie es in einer Anzeige [1] heißt, verbesserte) Version seines Dreißigerjahre-Designs, das von der britischen Firma Summerfield in Gateshead vertrieben wurde. Für eine ausführlichere Liste von Gitarrenbauern, die heutzutage Gitarren dieses Typs bauen, seht weiter unten am Ende dieser Seite.

Eine Übersicht zu den verschiedenen Gitarrenmodellen von Selmer. Als die klassische Django-Gitarre schlechthin gilt - wie bereits oben erwähnt - das Modell N° 807. Am augenfälligsten ist der Unterschied der "Maccaferri"-Selmer zu der "Nach-Maccaferri"-Selmer am Schallloch: Maccaferri-Design (1932 - 33) - D-Schallloch ("grande bouche"); Selmer-Design (1934 - 52) - ovales Schalloch ("petite bouche"). Der Einbau eines Resonators wurde von Selmer aufgegeben, da die Verbesserungen des Klangs nur unwesentlich waren. Dem folgenden Artikel (englisch) nach wurde der Resonator in zwei Ausführungen gebaut: eine Version mit nur einem, eine andere mit zwei Löchern in dem gebogenen hölzernen Schallschild direkt unterhalb des D-Schallloches, wobei lediglich die erste Variante deutliche Verbesserungen im Klangbild brachte. Der Einbau des Resonators ist jedoch relativ aufwendig; aktuell baut, soweit ich weiss, lediglich Michael Dunn in Kanada sein Modell "Mystery Pacific" mit internem Resonator. Weitere Informationen zu Selmer-Gitarren findet ihr auch im Primer on Selmer guitars.

2. Django Reinhardts elektrische Gitarren:

Soweit ich weiss, hat Django Reinhardt zum ersten Mal während seiner (einzigen) Amerika-Tournee im Jahre 1946 elektrisch verstärkte Gitarre gespielt. (Laut Michael Dregni [4] spielte er jedoch bereits 1946 seine Selmer mit einem Pick-up, vermutlich einem Stimer.) Nachdem er sich auf dieser Tournee eine Epiphone Zephyr besorgt hat (ob gekauft oder nicht, kann ich so auf die Schnelle nicht sagen; dem amerikanischen Gitarristen Joe Sinacore zufolge hat er sie von Epiphone geschenkt bekommen), hat er ab da - insbesondere im Folgejahr 1947 - das Gros seiner Aufnahmen mit elektrisch verstärkter Gitarre eingespielt.
Zu Django Reinhardts elektrischen Gitarren habe ich einen von William Markham verfassten Artikel über Djangos Epiphone Zephyr entdeckt. Django Reinhardt brachte diese Gitarre 1946 von seiner USA-Tournee mit nach Frankreich (der Seriennummer #3442 nach zu schliessen dürfte die Gitarre um 1939 herum gebaut worden sein). Djangos Sohn Babik Reinhardt, inzwischen selbst ein Jazzgitarrist, schenkte Djangos Epiphone 1967 dem amerikanischen Gitarristen Fred Sharp, der die Gitarre umbaute und u. a. um einen Cutaway ergänzte. Seht auch den Artikel "Django's Epiphone Guitar".

Der Gitarrist Chuck Wayne spielte Ende der Vierzigerjahre übrigens auch eine Epiphone Zephyr, zu sehen auf einigen YouTube-Videos des George Shearing Quintetts, bei dem Wayne Mitglied war.
 
Die Gitarre, die Django Reinhardt auf dem Foto links in der Hand hält, ist eine Gretsch Snychromatic 400 von 1939, die eigentlich dem Gitarristen Artie Narvaez vom Artie Shaw Orchestra gehörte, der sie Django für Aufnahmen mit dem Gitarristen Harry Volpe ausgeliehen hatte. Zumindest bei einem der beiden Konzerte, die Django Reinhardt 1946 zusammen mit dem Duke Ellington Orchestra in der Carnegie Hall gegeben hat, spielte er laut Gitarrist John Pisano eine elektrisch verstärkte Gretsch "Volpe Special", benannt nach dem Jazzgitarristen Harry Volpe, mit einem relativ ungewöhnlichen, dreieckig gewölbten Schallloch. Weiterführende Lektüre: Der Artikel "Django Reinhardt and Harry Volpe - Tutor" auf der Site Gypsy Jazz UK.

 

Neben der elektrisch verstärkten Epiphone Zephyr spielte Django teilweise auch seine akustische, zu diesem Zweck mit einem Stimer-Tonabnehmer versehene Selmer N° 807 über einen Verstärker. Die Sessions vom 21. Mai sowie vom 6. und 18. Juli 1947 wurden z. B. mit dieser Gitarre aufgenommen (zu hören an dem etwas gedämpften Klang).

Auf nebenstehendem Foto ist Django Reinhardt mit einer elektrisch verstärkten Schweizer Rio DeLuxe zu sehen, die offenbar entweder Sarane Ferret oder Pierre Cavalli gehörte. Das Foto wurde 1948 im Opernhaus von Nizza im Rahmen des ersten Jazz-Festivals von Nizza aufgenommen. Seht hierzu auch den englischsprachigen Artikel "Django's Rio Guitar As Used at the 1st Nice Jazz Festival 1948".
 Bei der Archtop, die Django Reinhardt auf nebenstehendem Foto spielt, handelt es sich um eine Gibson ES-300.
Hier ist Django Reinhardt mit einer Archtop unbekannten Fabrikats (Gibson?) zu sehen.
Für die Aufnahmen, die Django Reinhardt 1950 zusammen mit André Ekyan in Rom machte, verwendete er dem nebenstehenden Foto nach zu schließen eine elektrisch verstärkten Gitarre mit O-Schallloch. Interessant ist hierbei, dass Django Reinhardt auf einem Foto des Quintette du Hot Club de France von 1934 mit einer fast identischen Gitarre abgebildet ist, die der Bauweise (u. a. klassische Stimmmechanik) nach einer 15-1/4" Regal/Dobro von 1931 ähnelt. Die Gitarre von 1950 besitzt allerdings ein etwas längeres Griffbrett sowie ein Schlagbrett. Daneben ist offensichtlich am Schallloch ein Tonabnehmer angebracht. Bei dieser Gitarre handelt es sich um eine italienischen Mogar.

3. Andere Gitarren:

Die Gitarre, die Django Reinhardt auf dem nebenstehenden Foto in der Hand hält, stammt André Duchossoir, Paris zufolge von dem Marseiller Gitarrenbauer Arthur Carbonnell, der später auch an Selmer-Gitarren orientierte Modelle gebaut hat. Allem Anschein nach gehörte sie zuerst dem Gitarristen Marcel Bianchi, der sie von Südfrankreich mit nach Paris brachte. Ob Django Reinhardt lediglich auf dem Foto mit dieser Gitarre posiert oder ob er sie von Bianchi gekauft hat, ist nicht klar.

Das nebenstehende Foto zeigt Django Reinhardt mit einer Konzertgitarre.

 

4. Django Reinhardts Verstärker:

Stimer M10-Verstärker        
Was die von Django Reinhardt verwendeten Verstärker angeht, hat er bei verschiedenen Gelegenheiten einen Stimer M10-Verstärker (zusammen mit seiner  Selmer und dem Stimer-Pick-up, z. B. bei einem Live-Auftritt 1951 zusammen mit der Band von Dizzy Gillespie), einen Electar-Verstärker von Epiphone (für die Epiphone Zephyr) bzw. einen Gibson EH150-Verstärker1 (u. a. zusammen mit seiner Selmer; zu sehen auf einem Foto von 1951 aus dem Club Saint-Germain) benutzt.
1 Einem Artikel bei Gypsy Jazz UK nach handelt es sich hierbei jedoch um einen Stimer M12-Verstärker.

Die Archtop, die Django Reinhardt auf den berühmten Fotos von William P. Gottlieb spielt, ist allerdings eine unverstärkte schwedische Levin De Luxe von ca. 1939. die dem Gitarristen Fred Guy vom Duke Ellington Orchestra gehörte.

5. Für Anfänger:

Insbesondere Anfängern rate ich unbedingt zu einer akustischen Gitarre (am besten mit Cutaway, was bei Lagen ab dem 12. bzw. 14. Bund sehr von Vorteil ist)! Ein weiterer Grund, der für eine akustische Gitarre spricht ist der, daß eine elektrische Gitarre viel mehr zum Schludern verführt, da Fehler nicht in dem Maße hörbar sind (insbesondere, wenn man mit einem verzerrten Ton spielt). Gerade bei Rhythmusgitarre lernt man/frau die richtige Technik nur mit einer akustischen Gitarre. Bei einer elektrischen Gitarre hört man die "Feinheiten" (die berühmte "pompe Manouche"), die bei einem guten Rhythmus-Spiel so essentiell wichtig sind, ganz einfach nicht heraus. Darüber hinaus empfehle ich möglichst eine Gitarre mit Stahlsaiten. Falls jemand doch auf einer Konzertgitarre spielt (die es auch mit Cutaway gibt), halte ich es des Klangs und der präziseren Spielweise wegen für wichtig, möglichst nahe am Steg zu spielen. Ich selbst habe hauptsächlich aus finanziellen Gründen bisher auch "nur" eine Konzertgitarre, was aber besonders beim Rhythmusspiel wegen des breiten Halses doch etwas problematisch ist.

Für den Einstieg empfehle ich beispielsweise eine Patenotte 254, da sie relativ erschwinglich (um die € 750,-) und dazu von Hand gefertigt ist, während Spitzengitarren schnell € 3.000,- kosten (Original-Selmer kommen auf bis zu $ 35.000,-). Es gibt auch relativ günstige Selmer-Kopien aus Japan bzw. China (Career). Diese Gitarren sind aber in aller Regel nicht in einem "normalen" Gitarrengeschäft erhältlich. In diesem Fall sucht man sich wohl eher einen Gitarrenbauer in der Nähe, der manchmal entweder gebrauchte Gitarren dieses Typs oder sogar selbstgebaute Einzelanfertigungen hat. Ein Tip, den mir Joscho Stephan gegeben hat: die relativ erschwingliche Hoyer "Joscho Stephan Signature" der Firma Hoyer, die ihren Betrieb allerdings mittlerweile eingestellt hat. Eine andere günstige Gitarre für Anfänger ist die SAGA Gitane, die bereits für unter EUR 1.000,- zu haben ist. Deutlich preisgünstiger sind Modelle von Kirkland ("Django") oder Richwood (RM-70-NT) . Das sind aber absolut billige Einsteiger-Gitarren, die teilweise für unter € 300,- erhältlich sind. Dann gibt es noch die Aria MM-10(e) oder MM-20(e), die bereits ab  € 500,- erhältlich sind.

6. Buchempfehlung:

François Charle: "The Story of SELMER MACCAFERRI Guitars".

7. Adressen:

Deutschland Finnland Frankreich
  • Jean Pierre Favino
    31160 Castelblague
    Tél: +33 - (0)5-61901027
  • R. & F. Charle (verkaufen manchmal auch Original-Selmer-Gitarren)
    17, Galerie Véro-Dodat
    75001 Paris
    Tél: +33 - (0)1-42333893
    Fax: +33 - (0)1-40410773
  • Claude Patenotte
    Guitares et Mandolines
    88500 Mirecourt
    Tél: +33 - (0)3-29370168
    Fax : +33 - (0)3-29374091
  • Maurice Dupont
    20, rue Port-Boutiers
    16100 Boutiers Saint-Trojan (Cognac)
    Tél: +33 - (0)5-45325410
    Fax: +33 - (0)5-45354790
  • Jean Baptiste Castelluccia
    3, rue de Constantinople
    75008 Paris
    Tél: +33 - (0)1-43873950
  • Jean-Louis Alves de Puga
  • Alain Mazaud
    3, chemin de la Pierre Debout
    14490 Bernières sur mer
    Tél: +33 - (0)2-31376916
  • Hervé Prudent
    30, rue Rivotte
    25000 Besançon
    Tél: +33 - 0381573309
  • atelier Géromé
    12, quai Lebreuil
    88500 Mirecourt
    Tél: +33 - (0)3-29371185
Grossbritannien Holland Kanada Spanien
  • Olivier Marin
    C. Pablo Picasso, 28/4°C
    18008 Granada
    Tél.: +34 - (0)958 12 12 04
    Portable: +34 - (0)619 13 51 13
USA
  • GypsyGuitars.com. Verkaufen neben anderen Selmer-Style-Gitarren ab und zu Original-Selmer aus den Dreißiger- bis Fünfzigerjahren.
  • Elderly Instruments [ haben neben vollakustischen Jazz-Gitarren auch preisgünstige Nachbauten von Selmer Maccaferris im Programm, ebenso viel Zubehör sowie Gitarren praktisch aller gängigen Stilrichtungen ].
  • DjangoBooks. Haben ein umfangreiches Angebot an Gitarren (u. a. Original-Selmer-Gitarren), Verstärkern. Tonabnehmern, Plektren, Büchern, CDs sowie ein Forum.
  • Mandolin Brothers Ltd., Staten Island, N.Y. Verkaufen u. a. Archtops).
  • Michael Collins in Argyle, N.Y..
  • SAGA in San Francisco, Ca. Absoluter Tip: Die Gitane D-500! [ Anm.: SAGA an sich ist eine asiatische Firma; in San Francisco befindet sich nur der Vertrieb für die USA. ]
  • Nicht für Puristen: Moll Custom Instruments. Sehr schöne akustische Jazz-Gitarren, die u. a. von dem amerikanischen Jazz-Gitarristen John Pizzarelli gespielt werden.
  • Lacey Guitars in Nashville, Tn. bauen verschiedene ausnehmend schöne Archtops.
  • Matt Umanov Guitars in New York, NY., wo u. a. sehr schöne gebrauchte Jazzgitarren angeboten werden.
  • Bei archtop.com werden laufende wunderschöne vorwiegend US-amerikanische Archtops (mit Verstärkung oder rein akustisch) sowie ab und zu auch Selmer-Style-Gitarren angeboten.
  • Novax Guitars in San Leandro, Ca.. Bauen keine Selmer-Style-Gitarren, dafür aber eine Reihe sehr interessanter Solid- bzw. Hollowbodies, teilweise mit acht Saiten. Das Besondere an dem von Novax verfolgten Konzept ist eine unterschiedliche Mensur für jede der sechs bzw. acht Saiten, was u. a. durch einen schrägen Steg und schräg eingesetzte Bünde erreicht wird.
  • Stewart-MacDonald: Everything for building and repairing stringed instruments! Nach meinem ersten Eindruck wirklich die definitive Ressource! Stewart-MacDonald bieten u. a. auch ein Benedetto Archtop Tailpiece an, das offensichtlich auch für Selmer-Nachbauten verwendet werden kann.
  • Roberto Venn - School of Luthiery (Phoenix, Ar.)
  • Guild of American Luthiers, u. a. mit Bauplänen zu verschiedenen Saiteninstrumenten (z. B. einer Martin C-3 Archtop von 1932).
  • Luthiers Mercantile International [ tolle Ressource für Gitarrenbauer ]
  • Michael A. Lewis in Grass Valley, Ca. baut u. a. ausnehmend schöne, von D'Angelico beeinflusste akustische Archtops.

8. Saiten:

  • Savarez "Argentine"-Saiten [ französisches Fabrikat; seit den Dreißerjahren die Saiten für Selmer-Gitarren und -nachbauten ]
  • Argentine-, Lenzner- u. Galli-Saiten [ USA, können auch online bestellt werden ].
  • Guadalupe Custom Strings [ USA ]
  • Lenzner-Saiten [deutsches Fabrikat; vom Klang her offenbar mindestens so gut wie "Argentine"-Saiten].
  • Für Konzertgitarre: Nachdem ich von Savarez "Alliance" 540J (blau; Karbonsaiten) sehr enttäuscht bin (die Umspinnung der Baßsaiten - besonders der D-Saite - ging bereits nach ca. einer Woche ab, was mir bei Nylon-Saiten bis dahin noch nie passiert ist), habe ich jetzt die absolut sensationellen Flamenco-Saiten 827 SHT von Hannabach entdeckt, von denen ich wirklich hin und weg bin.
  • Speziell für Archtops: Saiten von Thomastik-Infeld.

9. Aktuelle Verstärker/Tonabnehmer: