1. Grundsätzliches
2. Einzelne Techniken
3. Akkorde
4. Tips
5. Übungen
6. Improvisation
7. Begleitung
8. Gitarrentechnik allgemein

1. Grundsätzliches:

Da Django Reinhardt an seiner linken Hand abgesehen von seinem Daumen lediglich zwei voll funktionstüchtige Finger zur Verfügung standen, ergeben sich daraus für die Spieltechnik ein paar grundsätzliche Dinge:

Abschied von konventionellen Grifftechniken wie Vollbarré für Dur- und Mollakkorde. Dies hat nicht nur ideologische Gründe: Dadurch, daß Django Reinhardt durch die Beschränkungen seiner linken Hand zu einer neuen Grifftechnik gezwungen war, ergeben sich auch ganz andere Akkord-Voicings, d. d. für Akkorde mit gleicher Funktion werden rein grifftechnisch andere Akkorde benutzt (zu Beispielen siehe weiter unten). Diese modifizierten Akkorde tragen wesentlich zum typischen Django Reinhardt-Sound bei.

Was das Spielen von Single-Note-Linien (also Melodie bzw. Improvisation mit Abfolgen von einzelnen Noten) anbetrifft, so empfehle ich aus eigener Erfahrung, lediglich drei Finger1 zu verwenden. Auch dies hat einen wesentlichen Einfluß nicht nur auf den so erreichten Sound; es wird so auch eine sicherere, präzisere und kraftvollere Spielweise erreicht. (Den Erinnerungen Stéphane Grappellis nach spielte Django Reinhardt mit solcher Kraft, daß seine neuen Selmer-Gitarren nach einem halben Jahr Löcher im Griffbrett aufwiesen. Da der amerikanische Gitarrist Fred Sharp, dem Babik Reinhardt Djangos elektrische Epiphone "Zephyr" mit der Nummer 3442 geschenkt hatte, Ähnliches berichtet, ist das wohl nicht nur eine Legende.)

Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt, nämlich dem Spielen mit Plektrum. Ich konzentriere ich mich ausschließlich auf das Spielen mit Plektrum, da so Effekte zu erreichen sind, die mittels fingerstyle wohl nur sehr schwer bis überhaupt nicht möglich sind. Nebenbei bemerkt habe ich bei Dregni [4] gelesen, dass Django Reinhardt Plektren aus Schildpatt (engl.: tortoise shell) benutzte.

Geeignete Plektren können beispielsweise von R. & F. Charle, Paris bezogen werden (DUGAIN FLATPICKS u. a.). Sehr gut sind natürlich die Plektren von Michel Wegen. Generell sollten sie so dick wie möglich sein. Nachdem ich jetzt ein ca. 3 mm dickes Plektrum aus der Schale einer Kokosnuß2 ausprobiert habe, kann ich nur nochmals betonen: erst mit einem dicken Plektrum werden die Techniken von Django Reinhardt in ihrer ganzen Bandbreite möglich! Und, noch ein Tip zum Ausprobieren: Die langsamen Noten downstroke spielen, also Richtung hohe e'-Saite. Darüber hinaus gilt generell: Bei jedem Saitenwechsel wird die erste Note downstroke gespielt. (Einige Bücher zu Gypsy Style-Techniken findet ihr bei Djangobooks.)


1 Natürlich hat Django Reinhardt selbst lediglich zwei Finger verwendet (seht die Ausschnitte aus einem Film über das Quintett du Hot Club de France, der um 1938 aufgenommen wurde). Von diesem Film existiert auch ein YouTube-Video.

2 Dieses Plektrum ("HotPick") gab es mal bei HotClubNews in Augsburg, die aber inzwischen nicht mehr existieren. In normalen Musikgeschäften gibt's die - soweit ich jedenfalls gesehen habe - nicht.

2. Einzelne Techniken:

Angesichts seins Handicaps der Sehnenverkürzung an Ringfinger und kleinem Finger entwickelte Django Reinhardt eine völlig neue Spieltechnik, wobei er die Melodie lediglich mit Zeige- und Mittelfinger spielte, während er für Akkorde den Daumen sowie - in beschränktem Maße - die gehandicapten Finger mitbenutzen konnte. Darüber hinaus erwähnen Schmitz/Maier [2] eine sog. "cross-fingering"-Technik, bei welcher ein Finger nicht nur auf eine tiefer liegende Saite, sondern auch auf einen tieferen Bund greift. Der englische Musiker Alexis Korner hat ja auch schon über diese Möglichkeit spekuliert. In obigem YouTube-Video ist davon allerdings nichts zu sehen.

Einige Grundtechniken von Django Reinhardt werden auf der Site about-django beschrieben. Obwohl die Site auf Französisch ist, befindet sich dort eine Reihe von Grafiken, die die jeweilige Technik veranschaulichen. So findet der/die Interessierte hier u. a. ein Beispiel für einen der rasanten Single-Note-Aufwärtsläufe von Django Reinhardt sowie für den - Le Sweep Ascendant genannten - Aufwärtslauf mit einem verminderten Akkord [MP3], von dem Beispiele in der "Improvisation" (1937), dem "Rhythm Futur" (1940) sowie in der elektrischen Version von "Les Yeux Noirs" (1947) zu finden sind.

Weitere Grundtechniken sind u. a. die Verwendung von double stops, bei der zwei benachbarte Saiten gleichzeitig angerissen werden (ein Beispiel dieser Technik ist am Anfang des 1936 aufgenommenen "In The Still Of The Night" zu hören), sog. hammer-ons und pull-offs, wie sie auch heutzutage insbesondere in der Rockmusik und von Blues-Gitarristen wie Eric Clapton häufig verwendet werden, und nicht zuletzt der Einsatz eines exquisiten Vibratos.

Eine andere, für Django Reinhardt insbesondere bei der Begleitung charakteristische Technik ist eine Art "Balaleika-Effekt", bei dem Django Reinhardt die Begleitharmonien auf drei oder vier Saiten tremolo spielt. Ein Beispiel von vielen ist hier die 1947 mit elektrischer Gitarre aufgenommene Version von "Stockholm". Da Django Reinhardt 1931 eine Zeitlang mit dem russischen Federoff-Orchester spielte, ist es denkbar, daß er die Anregung zu dieser Technik dort bekam (aber das ist wie gesagt nur eine Vermutung).

Darüber hinaus verwendete Django Reinhardt eine Reihe von Effekten wie z. B. die später durch Wes Montgomery populär gewordene Oktavtechnik, bei der zwei je eine Oktave voneinander entfernte Noten downstroke (in Richtung obere e'-Saite) gespielt werden, während die Saiten dazwischen abgedämpft werden. Eine Variation dieser Technik kann man beispielsweise in dem oben bereits erwähnten "Rhythm Futur" von 1940 hören, wo Django Reinhardt ganz zu Anfang des Stückes je eine am 5. Bund gegriffene Note (zuerst das g auf der vierten, dann das e auf der fünften Saite) sowie gleichzeitig die parallel daneben liegende - eine Oktave höher klingende - Leersaite spielt, was einen Tremoloeffekt ergibt.

Zu guter letzt ist Django Reinhardt auch einer der Pioniere des künstlichen Flageoletts, das er bereits 1937 in der ersten einer Reihe von Improvisationen für unbegleitete Solo-Gitarre ("Improvisation") verwendete. Eine ausgedehnte Flageolett-Passage findet sich in dem 1940 aufgenommenen "Nuages".

3. Akkorde:

a) Grundakkorde

  

   

 

 

b) Fortgeschrittene Akkorde

 

  

c) Einzelne Stücke

1. "Swingin' with Django" (aka "Stompin' at Decca")

Nachstehend die ersten acht Akkorde der über vier Takte gehenden Einleitung zu diesem Stück - genauer gesagt: zu der Version [MP3], die das Quintette du Hot Club de France am 7. Dezember 1937 eingespielt hat. Die Bassnoten, die jeweils vor dem Akkord gespielt werden, habe ich rosa gekennzeichnet (das Stück ist in G-Dur):

Die obigen Akkorde entsprechen ziemlich genau den Originalakkorden, so wie Django Reinhardt sie in der Originalaufnahme von 1937 gespielt hat, wobei er die Bassnoten  - anders als hier dargestellt - vermutlich mit dem Daumen gegriffen hat. Ich habe das aber selbst ausprobiert, und mit dem Daumen ist das fast nicht zu greifen. Wie Django Reinhardt das dann gespielt hat, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel.

Bei about-django habe ich dazu auch eine Tabulatur gefunden. Und: Ein Rhythmus-Track [MP3] zum Mitspielen, aufgenommen von der französischen Gruppe Nuages de Swing.

Auf der Site von Nuages de Swing hat es übrigens auch eine sehr gute Akkordübersicht.

4. Tips:

Rhythmus:

  1. Dickes Plektrum!
  2. Ein scharfer Akzent jeweils auf "2" und "4". Das Ganze heißt "La Pompe Manouche".
  3. Ziel: Die Spannung aus dem Unterarm nehmen (üben); es bewegt sich nach Möglichkeit nur das Handgelenk!
  4. Der Rhythmus muß "fließen".
  5. Vor allem morgens/vormittags, wenn man noch nicht "warm" ist, ein paar Lockerungsübungen sowohl für die Handgelenke/Finger als auch für die Arme machen. Bei Spannungen/Zerrungen hilft mir persönlich z. T. auch eine (mögl. pflanzliche) Salbe.

Bottom line: Diese Art von Rhythmus-Spiel ist (anfangs wenigstens) extrem anstrengend besonders für Unterarme, Handgelenke und Finger (linke Hand!).

Noch ein Tip für angehende Rhythmusgitarristen: Ideal ist es, wenn das Plektrum unten schon etwas abgespielt (= abgerundete Spitze) ist. Es gibt auch (ziemlich dicke) Plektren aus hellem, halb-transparentem Kunststoff, die schon abgerundet sind (keine Ahnung, von welchem Hersteller); außerdem natürlich die (weißen) Wegen "Fatone" Picks.

Solospiel:

Wie mir Joscho Stephan in einer Email geschrieben hat, ist es wichtig, daß bei jedem Saitenwechsel zuerst ein Downstroke kommt - egal, ob der letzte Anschlag davor ein Downstroke oder ein Upstroke war.

5. Übungen

a) Chromatischer Aufwärtslauf mit zwei Fingern

Diese Übung bezieht sich auf eine Technik, die Django Reinhardt des öfteren angewandt hat, z. B. in "My Serenade" von 1937. Es handelt sich dabei um einen schnellen, lediglich mit zwei Fingern gespielten Auf- oder Abwärtslauf. Es empfiehlt sich, diesen Lauf zuerst so langsam zu spielen, daß jede Note sauber artikuliert wird. Gerade bei solch' spektakulären Techniken ist man verführt, schnell zu spielen, um es möglichst schnell hinzubekommen, aber dann fängt man an zu schludern.

Also: Ganz unten auf der tiefen E-Saite mit der Leersaite anfangen, dann mit dem Zeige- und Mittelfinger am ersten bzw. zweiten Bund weiterspielen (siehe Grafik). Beachten Sie/beachtet bitte die Abweichung auf der g-Saite, wo der Fingersatz 1-2-1 ist und lediglich bis zum 3. Bund gespielt wird. Danach - auf der g-Saite - wieder (nach dem Anspielen der Leersaite) wie gehabt mit dem ersten Finger weiterspielen. Dann, auf der oberen e'-Saite, setzt Django-Reinhardt allerdings doch ein Glissando ein (mit dem Zeigefinger (1) bis zum 12. Bund). Wenn dies gut klappt (d. h. jede Note sauber und ohne Nebengeräusche klingt), kann man das Ganze etwas schneller spielen (nichts forcieren!). Wenn es aufwärts gut geht, dasselbe abwärts. Man kann Auf- und Abwärtslauf natürlich auch in einem spielen, aber auch hier liegt das Gewicht auf sauberem Spiel und nicht auf Effekthascherei. Beim Anhören der Aufnahmen, in denen diese Technik eingesetzt wird, kann man hören, daß Django jede einzelne Note mit beispielloser Präzision spielt! Gerade hier zeigt sich auch, daß es wichtig ist, auf einer akustischen Gitarre zu spielen, um jeden Fehler sofort herauszuhören.

b) Chromatischer Aufwärtslauf über eine Oktave (drei Finger)

Diese zweite Übung ist ein der Schnelligkeit halber mit drei Fingern gespielter chromatischer Aufwärtslauf, der über eine Oktave (= 12 Halbtöne) geht. Meine neueste Endeckung zum Erhöhen der Schnelligkeit: Beim Üben bewußt leise spielen!

6. Improvisation

6. Begleitung

8. Gitarrentechnik allgemein

  • Akkorde [ incl. power chords und slash chords; englisch ]
  • Skalen [ die ultimative Seite; englisch ]

* Bitte beachtet, dass es in der anglo-amerikanischen Notation kein H gibt. H ist dort B; was bei uns als B bezeichnet wird, ist dort B flat (Bb).