Archiv des Monats: Dezember 2024

Heute abend

Eigentlich wollte ich die drei besten Rock-Songs mit einem Gitarrensolo posten. Zwei Stücke hatte ich auch gefunden, aber bei dem dritten wurde es problematisch. Zur Auswahl standen „Do What You Like“ von Blind Faith (Solo: Eric Clapton) und sogar „Starship Trooper“ von Yes (Gitarre: Steve Howe; ok, streng genommen kein Solo, sondern eine trickreiche Begleitung), aber das waren eben alles keine Singles. Hier also – als Kompromiß – die zwei ersten Songs und dann – als drittes Stück – eine rasante Country-Nummer von Ricky Scaggs.

Nr. 1: „While My Guitar Gently Weeps“ (Beatles; 1968; Solo: Eric Clapton).

Das Solo von Eric Clapton beginnt bei 1:55. Das Stück ist auf dem weißen Album der Beatles zu finden und wurde von George Harrison komponiert.

Nr. 2: „Do It Again“ (Steely Dan; 1972; Solo; Denny Dias). 

Diese Solo – ab 2:41 – wurde nicht auf einer E-Gitarre, sondern auf einer elektrischen Sitar gespielt. „Do It Again“ ist das erste Stück des Debut-Albums „Can’t Buy A Thrill“ (1973) von Steely Dan.

Und Nr. 3: „Country Boy“ (Ricky Scaggs; Soli: Ricky Scaggs und Albert Lee).

Den Infos bei YouTube zufolge ist dieser Clip vom American Music Shop. Albert Lee ist nebenbei Eric Claptons Gitarrist Nr. 1. Und hier der Text zu „Country Boy“. Albert Lee spielt übrigens auch auf „How High the Moon“ von Emmylou Harris (Solo Nr. 3), zu finden auf dem Album „Evangeline“ (1981).

Heute nachmittag

Nachdem ich heute morgen u. a. einen Link zu „Sweet Wine“ (1968; live) von Cream gepostet habe, habe ich mir ein paar Gedanken zu Lead-Gitarrist Eric Clapton gemacht. Ergebnis: Ich kann mir nicht helfen, aber ich kann mit dem Nach-Cream-Clapton nur wenig anfangen, auch wenn Eric Clapton sein Spiel bei Cream als „maestro bullshit“ bezeichnet hat. In der Folge von Cream immens erfolgreich, finde ich sein Spiel größtenteils einfach langweilig; da kann er noch so viele Grammys haben. Und zu seinem 2. Platz der „100  größten Gitarristen aller Zeiten“ kann ich nur anmerken, daß der „Rolling Stone“, der diese Liste erstellt hat, sich selbst diskreditiert, wenn a) John Lennon (Platz 55) ein besserer Gitarrist sein soll als Rory Gallagher (Platz 57) oder John McLaughlin (Platz 68) und b) Django Reinhardt ganz fehlt. Man ziehe sich das nur mal rein, daß John Lennon ein besserer Gitarrist sein soll als John McLaughlin. Das ist einfach sowas von grotesk. Und was soll „besser“ denn eigentlich heißen? Eben. Mein Fazit: Forget it!

Wollte den Beitrag oben mit ein paar Fotos illustrieren, habe aber keine geeigneten frei verfügbaren Fotos gefunden (Ausnahme: Django Reinhardt), und John Lennon mag ich einfach nicht. Muß in diesem  Zusammenhang an das denken, was der Psychiater und Analytiker C. G. Jung in „Psychologie und Dichtung“ schreibt, daß – sinngemäß – ein großer Künstler nicht unbedingt ein großer Mensch sein muß bzw. daß Künstler und Mensch zu trennen sind.

C. G. Jung ca. 1935. Gemeinfrei. Quelle: Wikipedia.

Heute abend bin ich froh, daß alles einigermaßen im Lot ist. Hatte wochenlang absolut rätselhafte Rückenschmerzen, die jetzt aber anscheinend wieder weg sind. CT, Röntgen und Ultraschall haben keine Ergebnisse gebracht. Habe vier Gramm Novalgin am Tag genommen. Nun, da ich das Novalgin auf ärztlichen Rat wieder reduziere, sind die Schmerzen trotzdem weg. Komisch, aber eigentlich kann ich ja froh sein.
Nachdem ich weiter oben C. G. Jung (1875 – 1961) erwähnt habe, möchte ich kurz noch etwas zu diesem Arzt sagen. Er hatte ja Medizin studiert und sich dann überraschenderweise – er beschreibt das in seinen Erinnerungen – für Psychiatrie entschieden. Habe in den Achtzigerjahren dies und das von ihm gelesen, so wie das Essay „Psychologie und Dichtung“ oder auch Schriften zur Individuation. Die Sachen zur Psychiatrie und zur Alchemie sind leider nur sehr schwer zu lesen, weil z. T. unübersetzte lateinische Zitate und viele Fachbegriffe. Jung ist neben Freud und Adler aber einer der drei großen Psychoanalytiker. Empfehlenswert und auch relativ leicht zu lesen ist das Buch „Erinnerungen, Träume, Gedanken“, eine Art Autobiografie, die von Jungs Sekretärin Aniela Jaffé aufgezeichnet wurde. Ich habe dieses Buch jedenfalls mit Gewinn gelesen und kann es jedem, der sich für das Thema interessiert, wärmstens empfehlen.
Nochmal zu Eric Clapton. Bei „Classic Rock Review“ habe ich einen Artikel (englisch) über die Zeit nach dem Ende von Cream entdeckt. In diesem Artikel wird ein Satz aus einem Interview zitiert, das Clapton dem „Rolling Stone“ gegeben hat: „I got the tapes for Music From Big Pink and I thought well this is what I want to play—not extended solos and maestro bullshit, but just good funky songs.“—Eric Clapton
Für Cream-Fans nichtsdesto weniger ein Interview mit Eric Clapton, das Teil des Films über die Abschiedskonzerte von Cream 1968 in der Royal Albert Hall ist. Hier spielt Clapton seine berühmte, vom holländischen Duo „The Fool“ bemalte Gibson SG.

Im Übrigen leidet der Film aber an – optischen wie akustischen – „psychedelischen“ Effekten, die vielleicht gut gemeint sind, dem Film aber mehr schaden als nützen. Ein guter Konzertfilm wie „Woodstock“ (1969) hat so etwas nicht nötig. Es wäre bestimmt interessant, die unbearbeiteten Filmrollen – falls noch vorhanden – neu zu schneiden und dann neu zu veröffentlichen.

Heute morgen

Bin schon wach – es ist 05:52 Uhr – und höre „‚Deed I Do“ (1946) vom Orchester Claude Thornhill. Gesang: Gene Williams. Der Sound dieser Big Band war das Vorbild für das Miles Davis Nonett von 1948/49 („Birth Of the Cool“): Trompete, Altsaxophon, Baritonsaxophon, Posaune, Waldhorn, Tuba, Klavier, Baß und Schlagzeug.

Und hier eine Live-Version von Hoagy Carmichaels „Stardust“, gespielt vom Orchester Harry James. Ein Jahr wird da leider nicht angegeben.
Stilwechsel: „Gunslinging Bird“ vom 1959 aufgenommenen und 1960 erschienenen Album „Mingus Dynasty“ von Charles Mingus.
Ich habe dieses Album zum ersten Mal 1980 gehört, das damals – CDs gab es da noch nicht – zusammen mit dem 1959 erschienenen „Mingus Ah Um“ als Doppel-LP veröffentlicht wurde. Später habe ich mir diese Doppel-LP gekauft und besitze sie heute noch. Ein anderer Favorit von mir von dieser LP ist „Far Wells, Mill Valley“.
Nachdem ich bis dahin vornehmlich Rock und Pop gehört hatte, kam ich gegen Mitte der Siebzigerjahre zum Jazz vor allem durch das von Joachim-Ernst Berendt gestaltete Jazz-Programm vom heute nicht mehr existierenden SWF2. So mit das allererste Mingus-Stück, das dort lief, war das auf dem Jazz-Festival in Antibes, Frankreich – ich meine, 1960 – aufgenommene „Folk Forms“.
Wenn ich an die Siebzigerjahre zurückdenke – ich habe mein Abitur 1977 gemacht -, so war, bis ich den SWF2 entdeckte, das Jazz-Ähnlichste, was ich hörte, Jon Hisemans „Colosseum“. An Rock hörte ich damals Sachen wie eben Colosseum, Yes, Emerson, Lake & Palmer, Rory Gallagher, Cream, Jimi Hendrix, die Allman Brothers Band und Fleetwood Mac (mit Peter Green).
Hier mal eine Auswahl von Stücken, die mir damals gefallen haben.
Wenn ich mir dagegen die aktuelle Popmusik anschaue, tut mir das richtig weh. Qualität und Originalität – Fehlanzeige. Ein Bekannter meinte gestern zu mir, als wir uns über die aktuelle Popmusik unterhalten haben, daß sich das alles gleich anhören würde. Das ist leider auch mein Eindruck. Wie das wieder anders werden soll, ist mir schleierhaft. So etwas sieht man aber nur, wenn man einen Überblick über die Popmusik der, sagen wir letzten 50 Jahre hat. Wenn man nur die Musik von heute wahrnimmt, merkt man das gar nicht – wie auch.
War gerade in der Stadt, einkaufen und eine latte trinken. In der Back-Factory mir schräg gegenüber ein junger Afrikaner, der mir schon aufgefallen ist, weil er immer wieder mit finsterer Mine vor dem Eingang zum Bahnhof steht. Nach einigem Hin- und Herüberlegen habe ich ihm, als ich gegangen bin, € 2,40 für einen Kaffee gegeben. Da leuchtete sein Gesicht für einen Moment auf und er lächelte. Das hat mir gut getan. Das zeigt imho auch, daß ich im Prinzip gar nichts gegen Ausländer habe. Was mich stört, ist nur die Tatsache, daß ich um mich herum kaum noch Deutsch höre.

Heute morgen

Nachdem ich Heiligabend gut überstanden habe, höre ich heute morgen „Don’t Blame Me“ (November 1947) von Barry Ulanovs Metronome All Star Jazzmen: Lennie Tristano [p], Billy Bauer [g] und Tommy Potter [b].

Fahre heute zu meiner Schwester, die in Oberndorf wohnt, einem Stadtteil von Rottenburg am Neckar. Leider sind meine Nichte mit ihren beiden Kindern und meine Neffen heute nicht da.

Heute abend

Habe mich heute nachmittag etwas mit dem neu installierten MuseScore beschäftigt, einem Open-Source-Notensatzprogramm. Leider ist MuseScore nicht so intuitiv, wie ich mir das wünschen würde. Ich habe es aber immerhin geschafft, einen einzelnen Akkord zu setzen. Das ist ein diatonischer Nonenakkord in C-Dur, also E9. Ich bin mir aber nicht sicher, ob man diesen Akkord so auf der Gitarre greifen kann1. Mein Ziel ist es jedenfalls, flüssig Noten lesen bzw. schreiben zu können, um Arrangements zu schreiben. Hier der Akkord:

Nonenakkord E9 für Gitarre
Was hier noch relativ dilettantisch ist, wird hoffentlich bald besser. Leider habe ich bisher noch kein Klavier oder Keyboard, auf dem dieser Akkord vergleichsweise einfach zu spielen ist.
In diesem Zusammenhang möchte ich sehr „Das Gitarrenbuch“ von Aloexander Schmitz empfehlen, daß es leider nur noch gebraucht gibt.

1 Nein, schon beim großen G scheitert das Ganze. Man müßte die A-Saite einen Ganzton herunterstimmen. Dabei fällt mir der amerikanische Rhythmusgitarrist Carl Kress ein, der seine Gitarre F – B – a – d – g – c stimmte. [Quelle: Alexander Schmitz: „Das Gitarrenbuch“; Krüger 1982; S. 265]

Heute morgen

Bin schon eine Weile wach – es ist gerade 06:58 Uhr – und habe auf YouTube einen Ausschnitt aus „Hellzapoppin'“ (1941) entdeckt, den ich hier mal posten möchte. Dieser Ausschnitt wurde mittels KI (imho  überzeugend) eingefärbt. Schon toll, was man heuzutage alles machen kann.

„Hellzapoppin`“ zu beschreiben, ist nicht ganz einfach. Eigentlich ist das ein total überkandidelter Film, aber auf eine liebenswerte Weise überkandidelt (Zitat: „Anything can happen and it possibly will.“) . Die hier gezeigte Szene beginnt mit dem damals populären Duo Slim & Slam (Slim Gaillard [g, p, voc] und Slam Stewart [b]) und geht dann in eine wilde Tanznummer über.

Ebenfalls von 1941: „Chattanooga Choo-Choo“ vom Orchester Glenn Miller. Gesang: Tex Beneke [ts, voc] und die Modernaires.

Höre gerade „‚Tis Autumn“ (1942) in der Originalversion von Woody Herman, der zusammen mit Carolyn Grey auch singt.
Das folgende Stück habe ich zum ersten Mal auf LuxuriaMusic gehört.

Das ist Peggy Lee mit dem Orchester Nelson Riddle. Beachtet auch das tolle Arrangement. Diese Aufnahme stammt von 1958.

Heute morgen

Still aus „Citizen Kane“ (1941). Von links nach rechts: Joseph Cotten, Orson Welles und Everett Sloane. Public domain.

Nachdem ich mich auf die Suche nach dem Inhaber der Rechte an Orson Welles‘ Klassiker „Citizen Kane“ (1941) gemacht hatte, lese ich in der englischsprachigen Wikipedia, daß dieser Film – und damit auch die Stills – in der public domain ist. Und: Wenn mir nach den ersten zehn Minuten von „Citizen Kane“ ein Adjektiv einfällt, dann ist es „monumental“. Ich ahne schon, daß „Citizen Kane“ bei mir nicht so gut wegkommen wird.

War gerade in der Back-Factory, frühstücken. Im Hintergrund irgendwelche Dudelmusik. Daß die Macher dieser Musik gar kein Gewissen haben. Sogar Spitzenmusiker wie Taylor Swift, Katie Perry oder Ed Sheeran sind in meinen Augen nur clevere Absahner, die nicht mehr in der Lage sind, originelle Melodien zu verfassen. Eine Mitschuld an dieser Misere trifft imho auch unsere Radiostationen, die diese Musik unkommentiert über den Äther senden. Ich erinnere mich noch, wie in der ersten Hälfte der Siebzigerjahre die Moderatoren des Pop-Shop vom damals noch existierenden SWF 3 Bands wie „Middle Of the Road“ oder „Sweet“ durch den Kakao zogen. Heute undenkbar.

Höre nochmal „Line Up“ (1956) von Lennie Tristano, gefolgt von „Wow“ (1949) vom selben Künstler. Diese beiden Stücke sind jedoch zugegebenermaßen längst nicht so ein gängig wie „‚Tis Autumn“ von den Kings Sisters oder auch „Song For My Father“ von Horace Silver.

Heute abend

Lennie Tristano 1947, New York, N. Y., ca. August 1947. Foto: William P. Gottlieb. Public domain.

Durch meinen letzten Beitrag bin ich ganz in die New Yorker Jazzszene der Vierziger- und Fünfzigerjahre eingetaucht. In diesem Beitrag habe ich am Anfang den Pianisten und Mentor Lennie Tristano erwähnt, von dem ich mir 1983 zum ersten Mal eine Platte gekauft habe. Eines der Stücke darauf war das 1956 aufgenommene „Line Up“, ein Stück für Piano, Kontrabass und Schlagzeug, von Tristano mit halber Geschwindigkeit aufgenommen, wofür er dann auch prompt kritisiert wurde. Vermutlich hielten die Kritiker das damals für „nicht authentisch“. Nachdem ich mir „Line Up“ bei halber Gerschwindigkeit angehört habe, frage ich mich, was Tristano damit bezwecken wollte.

Um Lennie Tristano bildete sich jedenfalls in den Vierzigerjahren ein Kreis junger Musiker, zu denen Lee Konitz [as], Arnold Fishkin [b], Billy Bauer [g] und andere gehörten. Man traf sich im Apartment von Arrangeur Gil Evans, das sich hinter einer chinesischen Wäscherei befand, um Ideen auszutauschen und Musik zu machen. Evans war damals Arrangeur für Claude Thornhill („Snowfall“; 1946, die Erkennungsmelodie dieser Big Band, die m. W. jedoch von Thornhill selbst arrangiert wurde). Evans schrieb die Arrangements für „Donna Lee“ von Charlie Parker und Miles Davis oder auch „La Paloma“ von Sebastián de Yradier.