Es ist jetzt 01:05 Uhr, und ich bin gerade aufgewacht. Höre im Kopf „We’re Not Gonna Take It“ (1969) von den Who.
Sahra Wagenknecht. Pressefoto.
Habe dem BSW eine Email geschickt. Die Option „Nicht wählen“ fühlt sich für mich nicht stimmig an. Wäre wirklich froh, wenn ich das BSW wählen könnte, aber das hängt im Endeffekt davon ab, mit wem sie koalieren. Bei dieser Wahl ist die Entscheidung wirklich nicht leicht, und der Spruch „Die Qual der Wahl“ hat hier seine Berechtigung. Ein Plus: Die Parteichefin Sahra Wagenknecht ist mir sehr sympathisch.
Zitat:
„Das Steuersystem in Deutschland bestraft Arbeit und belohnt Vermögen zusätzlich. Während den Fleißigen rund die Hälfte ihres Einkommens durch Steuern und Abgaben wieder abgenommen wird, sind die Steuersätze auf Vermögenseinkommen halb so hoch. Auch das ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, an denen die Union beteiligt war.
So sank der effektive Steuersatz, den etwa die Milliardärin Susanne Klatten auf ihre BMW-Gewinne zahlt, zwischen 1996 und 2022 von 61,0 Prozent auf 21,4 Prozent.“—Sahra Wagenknecht
Milliardenerbin Susanne Klatten. Foto: Imago.
Solche Leute klammert die CDU aus, wenn sie schreibt, daß sich „Leistung wieder lohnen soll“. Frau Klatten hat für ihr Erbe aber nichts geleistet. Der Satz, der im
Wahlprogramm der CDU steht, ist eben die typische Argumentation, mit der von den Vermögen der Reichen und Superreichen abgelenkt werden soll. Und ich denke, daß, wenn die Reichen wieder Steuersätze von 61% bezahlen müssten, sie noch mehr als genug Geld übrig hätten. Die CDU und auch die FDP tun so, als ob dann die Welt untergehen würde – eine durchsichtige Argumentation. Und: Hat die CDU denn etwas gegen die Armen? Es scheint fast so. Dazu, wie man da als Armer z. T. lebt, habe ich
hier etwas aus meiner eigenen Erfahrung geschrieben. Und: Ich habe nicht nur ein paar Monate vom Sozialhilfesatz gelebt, sondern 18 Jahre. Ich glaube überdies nicht, daß das so im Gesetz vorgesehen ist.
Habe versucht, nochmal einzuschlafen – vergebens. Mittlerweile ist es 02:19 Uhr. Habe mir deshalb einen entkoffeinierten Milchkaffee gemacht.
Nochmal zum Thema „Reichtum“. Bei der WirtschaftsWoche finde ich den Artikel
„Diese Menschen sind aktuell die reichsten Deutschen“. Susanne Klatten kommt in diesem Ranking, das noch vom Oktober 2024 ist, auf Platz 5 ($ 26,5 Mrd.), hinter ihrem Bruder Stefan Quandt, der auf Platz 4 ist ($ 27,3 Mrd.). Nicht so ganz ins positive Bild passen die Tatsachen, die der NDR über die Ursprünge des Quandtschen Vermögens ausgegraben hat. Seht euch dazu mal die Dokumentation
„Das Schweigen der Quandts“ (2007) an.
„Der Dokumentarfilm zeigt, inwieweit die Industriellenfamilie Quandt in der NS-Zeit in das Nazi-System verstrickt war. Insbesondere betrifft das das damalige Oberhaupt der Familie Günther Quandt, da dieser im Dritten Reich als Wehrwirtschaftsführer mit den Nazis zusammengearbeitet hatte. Zeitzeugen belegen, dass die Familie einen erheblichen Teil des Familienreichtums auf der Basis von Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg erwirtschaftete.“—Wikipedia
Nett, nicht? Dazu fällt mir unweigerlich der Begriff des Schattens ein, den der Arzt und Psychoanalytiker C. G. Jung geprägt hat. Ich möchte auch gar nicht wissen (oder doch?), wie die übrigen Kandidaten auf der Liste der reichsten Deutschen teilweise zu ihrem Vermögen gekommen sind. Und beim Handelsblatt findet man den Artikel
„Das sind die reichsten Menschen der Welt im Jahr 2025“, allen voran Elon Musk (Tesla, SpaceX) und Jeff Bezos (Amazon). Wenn wir schon beim Schatten sind: Die Arbeitsbedingungen bei
Amazon sollen auch nicht die besten sein (seht einen
kritischen Artikel beim SWR). Aufschlußreich auch, daß Amazon die Vorwürfe dementiert. So läuft das eben.
Bin nochmal eingeschlafen und jetzt – es ist gerade 05:22 Uhr – wieder aufgewacht. Habe von einem Kampfroboter geträumt, den unsere Firma gebaut hat. Alles ging gut, bis eine andere Firma ebenfalls einen Roboter gebaut hat, der unseren zerstören sollte. Ich suche also fieberhaft nach der Einstellung für die Kampf-Modi, kann sie aber nicht finden. Da wache ich auf.
Habe mir nochmal einen Milchkaffee gemacht, diesmal mit Koffein; ich will jetzt ja nicht nochmal einschlafen.
Mir scheint, wir haben ein „Reichen-Problem“, scheuen sich die Reichen doch davor, ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden. Reichtum wird möglichst diskret gehandhabt. Und was machen unserer Politiker, zuminderst die von der CDU und der FDP? Leugnen, leugnen, leugnen. Dabei ist der Reichtum hierzulande (aber auch anderswo) ein Schlüssel zum Verständnis des gesamten Systems. Es wird so getan, als würde der Himmel einstürzen, wenn das Geld der Reichen angetastet wird. Dabei brauchen wir dieses Geld dringend. Und was machen die CDU und die FDP? Sie wollen bei den Armen sparen, Stichwort „Bürgergeld“.
Daß ich nicht mehr Geld bekomme, liegt vor allem am sogenannten Lohnabstandsgebot. Arbeit soll sich lohnen
1. Warum wird aber nicht der Mindestlohn erhöht, z. B. auf die vieldiskutierten 15 Euro? Das liegt an der Arbeitgeber-Lobby. Ok, die CDU ist (noch) nicht an der Regierung, aber man bekommt jetzt ja schon mit, was beispielsweise
Friedrich Merz äußert. Das sind alles Arbeitgeber-Positionen.
Friedrich Merz. Pressefoto: Tobias Koch.
Heute streiken wieder die Busfahrer von LVL Jäger. Imho sollten die aber erst mal etwas freundlicher gegenüber den Fahrgästen sein; dann gönne ich denen auch die Tariferhöhung. Da ist z. B. ein bestimmter Busfahrer – ein Deutscher – der mich vor etwa einem Monat angepflaumt hat, weil ich im völlig überfüllten 427er vorn bei ihm gestanden bin. Er macht auch grundsätzlich nicht die hintere Tür auf. Ich habe ihm dann gesagt, daß seine Kollegen sehr wohl vorn stehen dürften, wo sie sich dann während der Fahrt mit dem Busfahrer unterhalten; da war er ruhig.
1 CDU: „Leistung muss sich wieder lohnen.“ Ja, also ich kann mich anstrengen, soviel ich will, das Sozialamt nimmt mir 2/3 meines Zuverdienstes weg. So komme ich gar nicht an den Punkt, an dem ich unabhängig von der Grundsicherung werden kann. Das ist absolut demotivierend. Im SGB XII heißt es gleich zu Anfang: „Die Leistung soll sie [die Leistungsberechtigten] so weit wie möglich befähigen, unabhängig von ihr zu leben … “ Das interessiert das Sozialamt aber nicht.