Es ist 02:13 Uhr, und ich trinke meinen ersten Milchkaffee (entkoffeiniert). Die Busfahrer von LVL Jäger streiken auch heute wieder. Gönnen tue ich denen eine Tariferhöhung nicht, sollen sie den Fahrgästen gegenüber erst mal ein bischen freundlicher sein. Gerade geht mir „Mary Anne With the Shaky Hand“ (1967) von den Who im Kopf herum. Wollte dieses relativ einfache Stück im Gitarrenunterricht verwenden, aber meine Schülerin M. hat mir vorigen Sonntag abgesagt.
05:32 Uhr. Höre „Don’t Blame Me“ (1948) von Lennie Tristano [p], Billy Bauer [g] und Tommy Potter [b].
Lennie Tristano, New York, N. Y., ca. August 1947. William P. Gottlieb/Ira and Leonore S. Gershwin Fund Collection, Music Division, Library of Congress.
Tristano war insbesondere in den späten Vierzigerjahren eine Art Mentor. Musiker, die zu seinem Kreis gehörten, waren Arnold Fishkin [b], Billy Bauer [g], Warne Marsh [ts], Lee Konitz [as] und andere. Treffpunkt war, wenn mich nicht alles täuscht, das Apartment von Arrangeur Gil Evans, das hinter einer chinesischen Wäscherei lag. Zu diesem Kreis gehörte auch die Pianistin und Sängerin Blossom Dearie, die später bei Verve unter eigenem Namen eine Reihe von Alben veröffentlichte.
Lee Konitz (2. v. l.) 1947 mit der Claude Thornhill Big Band. William P. Gottlieb/Ira and Leonore S. Gershwin Fund Collection, Music Division, Library of Congress.
Lee Konitz habe ich mindestens einmal live gesehen; das war 1987 in Stuttgart. Ich meine sogar, daß ich Lee Konitz noch ein zweites Mal live gesehen haben muß; das war 1990 anläßlich eines Konzertes in der Suttgarter Liederhalle, das „Rebirth Of the Cool“ betitelt war. Es gibt da übrigens eine schwer zu findende Platte von ihm aus der Serie „Music Minus One“, mit einem schönen „You Go To My Head“ und dem Bossa Nova „Meditation“. Die Stutgarter Stadtbücherei müßte ein Exemplar in ihrem Bestand haben.
Es ist inzwischen 07:11 Uhr, und es regnet schon eine ganze Weile. Werde heute nicht in die Stadt gehen (Streik), aber ich habe einen Termin bei meinem Hausarzt.