Habe vorhin, nach dem heutigen Treffen mit einem Bassisten, noch etwas E-Gitarre gespielt. Ich hatte die Wohnungstür offen, um etwas durchzulüften. Da kam mein Nachbar, und um ihn nicht zu stören, habe ich aufgehört zu spielen. So geht das aber nicht weiter, denn ich will ja Fortschritte auf der Gitarre machen. Habe ihn schon mal gefragt, ob ihn das Spielen stören würde, was er verneint hat. Wo ist dann das Problem? Ist das übertriebene Rücksichtnahme von meiner Seite aus? Scheint fast so.
Mache mir auch immer noch Gedanken, wie ich das mit der Grundsicherung mache, von der ich weg will. Eigentlich sollte das Sozialamt doch über mein Engagement froh sein. Sie ziehen mir aber, wie ich schon berichtet habe, bei jedem Zuverdienst 2/3 ab. Habe mir gerade beim dm-Markt eine Stellenausschreibung (Warenverräumer) angeschaut. In der Beschreibung ist aber von Streß die Rede, und das ist nichts für mich. 🙁 Ich bin nicht umsonst seit 2002 frühberentet1. Ich kann eben bestimmte Sachen nicht mehr machen.
Rick Beato erklärt hier, warum Musik nicht mehr so geschätzt wird wie früher. Als ich noch in die Schule gegangen bin (1973 – 1977; Oberstufe), mußte ich mir, wenn mir ein Song gefallen hat, die ganze LP kaufen2. Das hat damals so ab DM 9,90 gekostet; das wären heute ca. € 5,-. MP3s gab es damals noch nicht. Genauso wenig gab es das Internet und damit auch Spotify oder YouTube. Heutzutage bekommen Kids alle Songs, die sie mögen, auf Spotify für ganze € 10,99 pro Monat. Da ist es ganz logisch, daß sie einzelne Stücke bzw. Alben nicht mehr so wertschätzen wie wir früher.
Und noch etwas, auf das Rick Beato hingewiesen hat, nämlich die abnehmende Qualität der Musik. Weniger Vielfalt; keine Rock-Musik mehr in den Charts; praktisch keine Bands mehr; mehr und mehr uniforme Musik; nur noch Solo-Künstler; immer einfallslosere Musik; Fließbandproduktion; wenige Komponisten wie Max Martin bedienen die ganzen Künstler; fehlendes Engagement der Künstler; seelenloses, mechanisches Heruntergenudel der Songs; etc. etc.
Janis Joplin und Big Brother and the Holding Company 1967 auf dem Monterey-Pop-Festival. Das Gitarrensolo von James Gurley am Anfang ist leider kein Highlight, aber dann …
So etwas wäre heute leider nicht mehr denkbar. Das ist aber wohl auch eine Frage des Zeitgeistes. Darüber hinaus hat sich die ganze Popmusik in den 58 Jahren seitdem ja fundamental geändert, man denke nur etwa an die bis ins Letzte durchkalkulierten Auftritte einer Taylor Swift. Mir scheint auch, daß es heute nur noch darum geht, clever abzusahnen. Die Popmusik hat ihre Seele verloren. Auch der Gehalt der Songtexte geht immer mehr gegen Null, wie z. B. hier:
„Don’t say no, no, no, no, no
Just say yeah, yeah, yeah, yeah, yeah And we′ll go, go, go, go, go If you′re ready, like I’m ready“—Bruno Mars: „Marry You“
1 Seit Mitte 2023 beziehe ich Altersrente sowie, da die Rente zum Leben nicht ausreicht, Grundsicherung.
2 Genau genommen konnte ich mir LPs aus rein technischen Gründen erst ab Weihnachten 1974 kaufen, weil ich da meine erste Stereoanlage bekam.