Dudel-Pop

Wenn meine Nachbarin und ich samstags kochen, läuft im Hintergrund immer der Stuttgarter Sender 107.7. Was abgesehen von dem absolut substanzlosen Gedudel (Motto: “bester Rock und Pop”) nervt, ist der sender-eigene Werbeslogan “Die neue Hundertsieben-sieben”, der wirklich nach jedem Stück abgespielt wird. Nicht viel anders ist es bei SWR3. Auch hier ein Strom aus Gedudel ohne Höhen und Tiefen. Keine Soli, keine Instrumentalstücke, keine Stücke mit Überlänge, keine Experimente.

Anfang der Siebzigerjahre, als ich noch in die Schule gegangen bin, habe ich nachmittags immer den Pop Shop auf SWF3 gehört. Die Moderatoren, darunter Chefsprecher Frank Laufenberg sowie Günter Verdin und Peter Kreglinger, haben manchmal die damaligen Pop-Songs durch den Kakao gezogen, z. B. Songs von Sweet oder Middle of the Road. Das, was heutzutage läuft, hätten sie gnadenlos in der Luft zerrissen. Wie das gekommen ist, daß Leute wie Ed Sheeran (ganz schlimm: mit Justin Bieber) oder Katie Perry Millionen verdienen, ist mir ein Rätsel. Wenn ich z. B. im Rewe bin, muß ich mir die Musik, die aktuell in den Hitparaden ist, ja notgedrungen anhören: am Fließband gefertigter Pop ohne jede Originalität.

Einen Teil der Schuld dieser unseligen Entwicklung trifft jedenfalls die Radiostationen, die diese Art von Musik unkommentiert über den Äther schicken. Und: Die Zuhörer nehmen das ganz offenbar kritiklos hin. Meine Vermutung ist, daß sie es ganz einfach nicht mehr anders kennen, was ja traurig genug ist. Wie das wieder anders werden kann, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.