Audio-Problem

Seit einigen Tagen kommt, wenn ich Musik mit Kopfhörern höre, nur noch Mono. Das hat ganz plötzlich angefangen, und ich habe sowohl meinen Schwager gefragt (Software-Problem) als auch im englischsprachigen Ubuntu-Forum gepostet (Hardware-Problem). Tja, da ist guter Rat teuer. Mein PC ist gerade mal ein Jahr alt, so daß ich mir kaum vorstellen kann, daß da schon etwas mit der Lautsprecherbuchse vorn am PC nicht in Ordnung ist. Das Komische: An der hinteren Buchse, wo ich an sich die Lautsprecher anschließe, kommt Stereo – auch mit Kopfhörern. Schon merkwürdig.

Joseph Reinhardt: „Bric-à-brac“

„Bric-à-brac“ ist eine Komposition von Django Reinhardts Bruder Joseph („Nin-Nin“), hier in einer Live-Aufnahme vermutlich aus den Fünfzigerjahren. Joseph Reinhardt stand, solange Django Reinhardt noch lebte, immer im Schatten seines Bruders. Die vorliegende Aufnahme zeigt, daß er neben seiner Rolle als Rhythmusgitarrist auch ein hörenswerter Solist war.

Noch ein Wort zu dem elektrischen Gitarren-Sound. Obwohl er für unsere Ohren beim allerersten Zuhören etwas dumpf und verzerrt klingt, was der damals noch nicht so weit fortgeschrittenen Technik zu verdanken ist, ist es – das ist wie gesagt meine persönliche Menung – ein absolut persönlicher Sound, der sich (wieder imho) wohltuend von dem uniformen Archtop-Sound abhebt, der heutzutage en vogue ist, und obwohl sich auch beim elektrisch verstärkt spielenden Django Reinhardt die Geister scheiden, finde ich diese relativ späten Aufnahmen in ihrer Originalität absolut bestechend. Ich kann mich auch nicht der Ansicht anschließen, Django Reinhardt sei mit der elektrischen Gitarre nie richtig glücklich geworden – war sie seit 1947 doch sein Hauptinstrument.

04:34 Uhr


„Django Reinhardt, 1946“. William P. Gottlieb/Ira and Leonore S. Gershwin Fund Collection, Music Division, Library of Congress.

Neben der Tatsache, daß Django Reinhardt keine Noten lesen konnte, hatte er auch ein Handicap, das vermutlich die meisten anderen Gitarristen zum Aufgeben gezwungen hätte. 1928 – Django war damals 18 Jahre alt – geriet sein Wohnwagen in Brand. Als Folge davon waren Ringfinger und kleiner Finger der linken Greifhand verkrüppelt. Die erlittenen Verbrennungen waren so schwer, daß die Ärzte ein Bein amputieren wollten. Django Reinhardt lernte in den folgenden Monaten jedoch mit eiserner Disziplin eine völlig neue Technik, bei der er die verkrüppelten Finger noch für Akkorde einsetzen konnte. Die teilweise rasanten Single-Note-Läufe spielte er jedoch ausschließlich mit Zeige- und Mittelfinger. Eindrucksvolles Beispiel dieser Technik ist die 1937 aufgenommene „Improvisation“.

04:02 Uhr

Höre gerade „Django’s Dream“ (1947) von Django Reinhardt, während ich meinen ersten Milchkaffee trinke. Ich meine, ich beschäftige mich nun seit 1977 mit Django Reinhardt, als ich zum ersten Mal seinen 1937 aufgenommenen „Minor Swing“ gehört habe, damals als Titelmelodie des Films „Lacombe Lucien“ von Louis Malle, und ich lerne, ihn immer mehr zu schätzen. (Ok, es gab auch Phasen, da konnte ich ihn nicht mehr hören.) Ich finde seine Musik einfach unglaublich – umso mehr, als Django Reinhardt keine Noten lesen konnte. „Django’s Dream“ ist übrigens nichts anderes als „Rêverie“ von Claude Debussy.