Schlaflos in Ludwigsburg (4)

Es ist jetzt 02:59 Uhr und ich bin schon ca. eineinhalb Stunden wach. Trinke meinen zweiten oder dritten Milchkaffee und denke u. a. über die Qualität des deutschen Fernsehens nach. Spontan fällt mir „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff ein – was jüngere Leute ja gar nicht mehr kennen. Das war noch in den Siebzigerjahren, vor der unseligen Privatisierung.

Muß daran denken, wie ich vor nicht allzu langer Zeit noch zehn, zwanzig Beiträge pro Tag geschrieben habe. Was gerade fehlt, ist der „Flow“, um mal – ganz im Trend – ein denglisches Wort zu benutzen. Heutzutage wird ja alles und jedes eingeenglischt (anglifiziert). So hat jede Firma, die etwas auf sich hält, ihren CompetenceCenter. Na ja.

Schlaflos in Ludwigsburg (3)

Bin wieder mal mitten in der Nacht aufgewacht und kann nicht mehr einschlafen. Auf Waipu TV „The Aviator“, ein Film mit Leonardo DiCaprio. Am 1. August läuft mein kostenloses Probe-Abo von Waipu.tv aus, worüber ich aber nicht unglücklich bin. Habe keine Lust auf schlechte deutsche Serien oder volksverdummende Shows à la „Shopping Queen“. Das einzige Highlight sind Filme wie der sehr empfehlenswerte „Der talentierte Mr. Ripley“ mit einem noch jungen Matt Damon in der Titelrolle. Mit der Privatisierung des deutschen Fernsehens 1984 haben die Verantwortlichen den Zuschauern jedenfalls keinen Gefallen getan.

Heute morgen

War heute morgen schon einkaufen. An der Einfahrt zum Busbahnhof, dort, wo die Busse parken, jeden Morgen ein Mann, Hände in den Hosentaschen, die hellblaue Gesichtsmaske unters Kinn geschoben, unterhält er sich mit den Busfahrern und steht ansonsten nur da und beobachtet die Schüler auf der anderen Straßenseite, die auf den 423er warten, der sie zum Berufsschulzentrum bringt. Wofür der Mann eigentlich bezahlt wird, hat sich mir bisher noch nicht erschlossen. Etwas weiter, hinter dem Busbahnhof, am Anfang der Myliusstraße, ein älterer Flaschensammler, der mit gebeugtem Rücken seinen Karren hinter sich herzieht. Ich sehe ihn manchmal im Rewe, wo er seine leeren Flaschen abgibt. Bettler waren heute morgen noch keine da. Dafür im Rewe das übliche Top-40-Gedudel.

Dudel-Pop (9)

Zwei Zitate, Kommentare zu dem YouTube-Video „Why Today’s Music Is So BORING“ von Rick Beato:

  • „This is the same problem in ALL media now. They’ve dumbed down movies, TV, comics, everything into formulas that are safe and on a track they think are easy to produce and will turn enough of a profit to justify their jobs. As long as people keep eating up enough of this mediocre media, it will keep happening. If they get bored enough/wake up enough, maybe things will change.“–The Hylden
  • „All declining civilizations reach a point where all their creative forms (music, art, architecture, and literature) become exhausted and everything after that becomes a pastiche of what came before. Western civilization passed such a point a few decades ago.“–Ethan Bartlett

„Orphan Black“ (2013 – 2017)

Tatiana Maslany in „Orphan Black“ © Copyright 2013 – 2017 by polyband Medien GmbH. Mit freundlicher Genehmigung.

Mehr oder weniger durch Zufall entdeckt, schaue ich mir gerade jeden Tag die ab 2013 produzierte kanadische Serie „Orphan Black“ mit Tatiana Maslany in der Hauptrolle (bzw. den Hauptrollen) an. Um nicht zuviel zu verraten, nur ganz kurz: Sarah Manning (Tatiana Maslany) sieht auf einem Bahnsteig ihre Doppelgängerin, die sich, nachdem sie Schuhe, Tasche und Mantel abgelegt hat, ganz unvermutet vor einen Zug stürzt. Sarah nimmt nun die Tasche der Doppelgängerin an sich und schlüpft in deren Identität, während sie ihren eigenen Tod inszeniert. Es stellt sich heraus, daß die Doppelgängerin Polizistin war, die gerade eine Anhörung über sich ergehen lassen mußte, weil sie im Dienst eine Asiatin erschossen hat. Im Folgenden ergeben sich naturgemäß einige Verwicklungen, und Sarah – nun Beth Childs – kommt langsam dahinter, was sie mit ihrer Doppelgängerin gemeinsam hat.

„Orphan Black“ hat all‘ das, was deutschen Serien leider allzu oft fehlt: Sympathische, glaubhafte Darsteller, eine spannende Handlung sowie, soweit ich das bislang beurteilen kann, gute Kameraführung. Mein Tip: Unbedingt anschauen!

„Orphan Black“ gibt es entweder auf Netflix oder bei Amazon als DVD/Blu-ray.