Aufrüstung statt Abrüstung

„Ampel will bewaffnete Drohnen beschaffen“ betitelte Severin Weiland einen heute beim „Spiegel“ erschienenen Artikel. Ich meine, ich bin ja kein Militärexperte, aber meiner Ansicht nach schafft man mit Aufrüstung keinen Frieden. Wo sollen diese bewaffneten Drohnen denn eingesetzt werden? Im Mittleren Osten? Allein im Irakkrieg kamen von 2003 bis 2021 laut Statista insgesamt 204.496 Zivilisten ums Leben. Und wofür? Muß das denn sein? Soll das so weitergehen? Wann hören wir endlich auf, dem Kriegstreiber USA hinterherzulaufen?

Ein Buchtip zum Thema: „Die große Heuchelei“ von Jürgen Todenhöfer.

Ein Zitat:

„»Die große Heuchelei« belegt, was mancher ahnte, aber nie beweisen konnte: Die Menschen des Westens werden in außenpolitischen Fragen systematisch angelogen. Es geht nicht um edle Werte wie Menschenrechte oder Demokratie, sondern um reine Interessen. Um Öl, Waffen, Bündnisverpflichtungen. Da die Bevölkerung bewusst falsch informiert wird, kann sie in der Frage von Krieg und Frieden auch nicht demokratisch mitbestimmen. In der Außenpolitik wird die Demokratie ausgehebelt.“–Jürgen Todenhöfer

Und – damit mir nicht der Vorwurf gemacht wird, einseitig zu sein – eine kritische Bewertung auf Amazon:

„JT ist davon überzeugt, dass der Islam eine friedliche Religion sei und diese in der Vergangenheit sanft zu den Menschen gebracht wurde und nicht Angst und Schrecken in die Herzen der Ungläubigen legte. Ebenso tiefsinnig ist er davon überzeugt, dass die USA schuld an allem seien. Nichts lese ich von islamischen Strafsteuern oder Unterdrückung der Frauen, ein Lobbyist reinsten Wassers spricht zu uns, der die USA für die Schuld an allen Problemen des Islam und im Nahen Osten an den Pranger stellt.“–Happyx

Das mit dem „Kriegstreiber USA“ nehme ich aber nicht zurück. In diesem Zusammenhang kann ich beispielsweise die Lektüre von Noam Chomsky empfehlen.

Zugepflastert

Screenshot einer Seite bei den „Stuttgarter Nachrichten“. © 2021 by Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH.

Da mein für Google Chrome installierter Adblocker nicht funktioniert hat (warum auch immer), habe ich ihn kurz entschlossen wieder deinstalliert. Solchermaßen der Online-Werbung ausgesetzt, empfinde ich diese ehrlich gesagt als immer penetranter. Als ich 1996 zum ersten Mal im Internet war, gab es solche Auswüchse jedenfalls noch nicht – und das hat auch gut funktioniert. Mögliche Lösung: Ein anderer Browser. Firefox 94.0, den ich bis vor ca. einem halben Jahr benutzt habe, hat aber einen Programmierfehler (nehme ich zumindest an), weil er dieses Blog z. T. nicht ordentlich darstellt. (Mit Chrome hatte ich dieses Problem nie.) Tja, da ist guter Rat teuer.

Weiterführender Link: Mein Beitrag „Werbung“.

Email an die „Stuttgarter Zeitung“

Nachdem ich den Artikel „OB Nopper: „Die Innenstadt muss mit dem Auto erreichbar sein““ auf der Seite der „Stuttgarter Zeitung“ gelesen habe, habe ich dem verantwortlichen Redakteur kurzerhand eine Email geschrieben.

„Sehr geehrter Herr Haar,

Sie schreiben u. a.: „Wünschenswert, aber wohl kaum finanzierbar, wäre in diesem Zusammenhang auch ein kostenloser ÖPNV an Samstagen.“ Wieso „wohl kaum finanzierbar“? Bei Stuttgart 21 ist das Geld doch auch da. Dieses Großprojekt wurde gegen z. T. massive Widerstände von ganz oben durchgedrückt. Und: Ich meine, irgendwo müssen wir doch anfangen; die Zeit läuft uns davon. Noch ein Weg wäre, die Reichen und die Großkonzerne wie Daimler-Benz stärker zu besteuern, wobei ich mir nicht sicher bin, ob das auf Städteebene überhaupt geht; ich kenne mich da zu wenig aus. Darüber hinaus wäre ich nicht nur für einen kostenlosen ÖPNV an Samstagen, sondern die ganze Woche über, wobei ich zunächst einmal den VVS im Auge habe. Ihr Artikel stellt auch nicht die Dringlichkeit der Lage heraus. Im „Stern“ und in der „Süddeutschen“ lese ich, daß die COP26 in Glasgow im Wesentlichen gescheitert ist, und wenn das stimmt, dann müssen wir jetzt einfach radikale Maßnahmen beschließen. Der Status quo ist einfach nicht mehr tragbar.

Mit freundlichen Grüßen,

Claus Cyrny, Ludwigsburg“

Bin mal gespannt, ob da eine Antwort kommt. Und: Wie ich durch eine Google-Recherche erfahren habe, soll die Wiener Innenstadt weitgehend autofrei werden.

Zitat:

„Die Reduktion der Autos in der Innenstadt würde nicht nur Luft und Platz für die Menschen bringen, sondern auch frischen Wind für die Wirtschaft, zeigte sie sich überzeugt: „In Madrid hat die autofreie City die Verkaufszahlen im Handel im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent angekurbelt.“–Vienna Online

Weiterführende Links: Der Artikel „Sollten Innenstädte autofrei werden?“ von Sören Götz sowie „Kostenloser ÖPNV – und die Stadt verdient daran“ von Benedikt Schulz, beide auf der Seite der „Zeit“.

P. S.: Auf obige Email kam leider keine Antwort. Allem Anschein nach ist das Thema zu heikel. Zudem wage ich die Vermutung, daß die „Stuttgarter Zeitung“ an einem Dialog mit den Bürgern nicht interessiert ist.

Bundestagsabgeordnete

Bei der „Zeit“ hat es eine interaktive Übersicht aller 736 Bundestagsabgeordneten nach Parteizugehörigkeit. Finde es überdies sehr ungerecht, daß Bundestagsabgeordnete soviel dazuverdienen können, wie sie wollen (?) – da kommen laut „Spiegel“ teilweise Millionen zusammen -, während ich als Bezieher von Grundsicherung alle Nebeneinkünfte angeben muß, worauf mir dann ca. 80% abgezogen – „angerechnet“ heißt das so schön – werden.

Q & A: Tim Borgmann

Tim Borgmann: „Shape 68ch“. © Copyright by Tim Borgmann. Mit freundlicher Genehmigung.

Auf meine Anfrage hin war 3D-Artist Tim Borgmann aus Wuppertal so freundlich, ein paar Fragen zu seiner Arbeitsweise zu beantworten. Zum ersten Mal bin ich den Arbeiten von Tim 2007 auf der damaligen FMX begegnet. Ich meine auch, daß Tim selber da war; ich hatte aber keine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Tim arbeitet aktuell mit Houdini; als Renderer benutzt er Redshift.

F: Ich wüßte gern, wie Du nach Deinen Erfahrungen mit Softimage Houdini beurteilst.

A: Der größte Unterschied liegt für mich darin, dass Houdini ein mehr oder minder reines Ingenieur-Werkzeug ist. Heißt, es ist sehr, sehr technisch und nicht besonders intuitiv ausgelegt. Somit ist auch der Workflow an vielen Stellen ‚gefühlt oft umständlich‘ bzw. langsam. Nach einigen Jahren Arbeit mit Houdini kann ich sagen, dass es oft Sinn macht, etwas zunächst auf dem Papier zu planen, es dann zu bauen und dann zu modifizieren (also kreativ damit zu spielen). Einfach drauf los zu arbeiten/entwickeln ist mit Houdini so eine Sache. Im Prinzip besteht ein Großteil der Arbeit aus dem Finden/Definieren von Regeln, mit denen man etwas steuert – der prozedurale Ansatz eben. 🙂 Vorteil: Hat man ein Setup gut aufgebaut, kann es extrem flexibel sein.

Softimage war wesentlich mehr für den Artist ausgelegt. Insbesondere der Workflow war daran orientiert und man hatte den Eindruck, die ursprünglichen Entwickler haben versucht, viele Arbeitsschritte sehr flüssig zu gestalten. Aber das ging natürlich zum Preis der globalen Flexibilität. Und da hat Houdini natürlich eindeutig die Nase vorne. Es gibt im Grunde erstmal nix, was man nicht damit machen kann. Houdini gleicht da eher einer Entwicklungsumgebung, mit der man sich nahezu jedes beliebige Werkzeug bauen kann (aber oft eben auch erstmal bauen muss).

Um es kurz zu fassen: Softimage war wesentlich Artist-orientierter, und man (ich) konnte damit spontaner, intuitiver und schneller kreativ arbeiten. Es war ein Artist Tool mit prozeduralen Ansätzen/Möglichkeiten. Houdini hat im Grunde keine Grenzen und man kann sich unglaubliche (und äußerst flexible) Setups bauen, ist aber auch sehr, sehr viel technischer ausgerichtet und erfordert oft wesentlich mehr Vor- bzw. Grundlagenarbeit.

F: Ich habe den Eindruck, daß Du Dir da trotz Wechsel der Software eine gewisse Kontinuität bewahren konntest. Mich würde interessieren, wie Du das siehst.

A: Das hoffe ich sehr. Natürlich versuche ich immer, die Stärken einer Software zu nutzen, also idealerweise mit ihr und nicht gegen sie zu arbeiten, aber grundlegende Elemente, die mich gestalterisch interessieren, bleiben natürlich gleich (Linien, Strukturen, Licht usw.) Da meine Wurzeln in der ‚klassisch abstrakten‘ Malerei liegen, wird man wahrscheinlich auch dort Parallelen finden. Es gibt immer wieder Formen, Strukturen, Farben oder auch Effekte die mich optisch fesseln, somit gehen natürlich viele meiner freien Arbeiten in eine solche Richtung. Manchmal habe ich beim Wechsel einer Software versucht, alte Konzepte ‚einfach‘ zu übernehmen, oft habe ich versucht neue Konzepte/Workflows zu ergänzen (mich von der Software etwas leiten zu lassen). Heute sehe ich das eher so, dass ich einige Grundelemente / Werkzeuge brauche und der Rest sich dann einfach weiterentwickelt, mal langsamer, mal schneller. 😉

F: Planst Du auch mal, eine Animation als freies Projekt zu machen?

A: Im Grunde seit Jahren, mir fehlt nur die nötige Freizeit. 🙂 Daher ist vieles im Experimentier-Status hängengeblieben. Und da sich Teile meiner freien Arbeiten im Laufe der Jahre mit kommerziellen Arbeiten vermischt haben. Anders ausgedrückt: [Da] ich häufig wegen meiner freien Arbeiten für kommerzielle Arbeiten angefragt wurde, ist es manchmal schwer, da noch eine Grenze zu ziehen. Aber … ja … plane ich nach wie vor!

F: Und noch zum Modeling: Die Strukturen Deiner freien Arbeiten sind teilweise sehr komplex, z. B. Metallgewebe u. ä. Machst Du das mit Scripts?

A: Ich bin technisch eigentlich nicht besonders belaufen/gut, daher habe ich nie viel Scripts geschrieben. Meist nur, um oft zu wiederholende Arbeitsschritte in einer Schleife abzuarbeiten. Ansonsten habe ich am Anfang viel mit der Konvertierung zwischen NURBS1-Flächen und Curves gearbeitet, heißt Kurven erstellen, Fläche generieren, deformieren, zurück in Kurven wandeln, weiter arbeiten usw. bis etwas Interessantes entstand. Mit Softimage kam ICE dazu, was viele Dinge in den prozeduralen Bereich verschoben hat, und mit Houdini ist es nun natürlich komplett prozedural ausgerichtet. Somit habe ich mir im Laufe der Zeit natürlich schon Konzepte/Setups erstellt, um bestimmte Aufgaben möglichst flexibel zu erledigen oder zu vereinfachen.

F: Vielen Dank.

Weiterführender Link: Mein Beitrag „Tim Borgmann“.

1 NURBS = Non-Uniform Rational BSplines. Spezielle Kurven in einem 3D-Programm, mit denen man z. B. organische Formen modeln kann.

Sympathisch

Durch einen Podcast1 beim SWR1 habe ich von Millionenerbe Antonis Schwarz (Schwarz Pharma) erfahren, der „sein Vermögen für ökologisch orientierte Zwecke und Philantropie einsetzt, wie er selbst sagt. Der Deutsch-Grieche, der in München lebt, investiert in Unternehmen, Organisationen oder Fonds, die soziale oder ökologische Ziele verfolgen.“–Deutschlandfunk

Und:

„Als vermögender Mensch habe man die Chance, bestimmte Dinge im positiven Sinne anzustoßen: Wer Geld habe und das in kritischen Zeiten wie den heutigen nicht zum Wohle der Gesellschaft einsetze, verhalte sich „grob fahrlässig“, findet Antonis. Reichtum sei eine Art „Wunderwaffe“.“–Deutschlandfunk

Ich finde so etwas wirklich sympathisch – das genaue Gegenteil von diesen ganzen Superreichen, die auf Parties mit ihren Juwelen protzen. Antonis Schwarz hat u. a. die Initiative „taxmenow“ mitbegründet.

Zitat:

„Wir sind Vermögende und setzen uns für eine höhere Besteuerung von Vermögen ein, um mehr Chancen, Teilhabe und Zukunftsinvestitionen für alle zu ermöglichen.“

1 Diesen Podcast gibt es auch als Video.

Zitat:

„Das ist auch politisch gewollt, daß wir nicht genau wissen, wie die Vermögensungleichtheit ist.“–Antonis Schwarz

Lobbyismus

Bei der Lobbypedia gefunden: der Verband der Automobilindustrie (VDA).

Zitat:

„Laut der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des haushaltspolitischen Sprechers der Grünen, Sven-Christian Kindler, hatte Scheuer seit seinem Amtsantritt im März 2018 80 Treffen mit der Autoindustrie.[15] Die größten Umweltorganisationen wie BUND, Nabu, Greenpeace, WWF und Deutsche Umwelthilfe kamen danach nur auf ein Treffen. Daimler und BMW waren an jeweils 29 Gesprächen beteiligt, der VDA an 25, VW an 29, die VW-Töchter Audi und Porsche an 10 bzw. 3. Neben Werkseröffnungen und Empfängen sei es vor allem um Lobby-Kontakte im kleinsten Kreis gekommen. Dazu kommentierte Kindler: “ Andreas Scheuer ist der Minister der Autolobby. Für die Bosse der Autokonzerne ist der CSU-Minister Tag und Nacht erreichbar, während er die Umweltverbände eiskalt abblitzen lässt“.“

E-Mobilität

Solange E-Autos € 30.000,- bis über € 50.000,- kosten, frage ich mich, wer sich das leisten können soll. Dann ist da noch das Problem der Ladepunkte. Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA):

„Aktuell werden in Deutschland mehr als 12.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride pro Woche neu zugelassen, aber nur 200 weitere Ladepunkte installiert“, sagt sie. „Die Folge: Eine öffentliche Ladesäule kommt momentan auf etwa 13 E-Autos, an Ostern 2021 werden sich nach unseren Prognosen bereits 20 E-Fahrzeuge eine Säule teilen müssen – wenn der Ausbau nicht erheblich beschleunigt wird.“–Hildegard Müller