Zwiegespalten

Wenn es um die FDP bzw. um Christian Lindner geht, könnte ich mit Goethes Faust sagen: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“ Da ist einmal Christian Lindners Auftritt bei Maybrit Illner, wo er wirklich sehr sympathisch rüberkommt; dann ist da aber auf der anderen Seite das „Innovationen statt Verbote in der Mobilität“. Gerade entdeckt: „SPD, Grüne und FDP wollen kein Tempolimit“ – etwas, das einfach absolut in die falsche Richtung geht. So würden Harald Lesch zufolge doch „nur“ 2 Millionen Tonnen CO2 eingespart – von weniger Verkehrstoten ganz zu schweigen. Ich meine, Hand auf’s Herz: Wieviele Verkehrstote können bzw. wollen wir uns denn leisten? Sind weniger Verkehrstote denn „nichts“? Ich meine, es war Stalin, der gesagt hat: „Ein Toter ist eine Tragödie, Millionen Tote sind Statistik.“

Und: Bei der „Zeit“ lese ich Folgendes:

„Trotzdem haben die Verhandler ein Tempolimit früh abgeräumt. Für die Grünen versuchten Winfried Kretschmann und Robert Habeck, das als akzeptabel erscheinen zu lassen, indem sie auf den vor allem „symbolischen“ Wert des Tempolimits hingewiesen haben. Das ist völlig korrekt – allerdings ist die Aufgabe dieses Punkts eben auch symbolisch. Und zwar für das grundsätzliche Problem und Dilemma dieser Koalitionsverhandlungen.“–Joachim Behnke

Symbolischer Wert des Tempolimits? Was ist denn an weniger Toten symbolisch, bitteschön? So ein – Entschuldigung – blödes Gefasel.

Noch eine Email

Nach Anschauen des folgenden Videos habe ich eine Email an die Redaktion von „Menschen bei Maischberger“ geschickt:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mir gerade das Video „Richard David Precht im Gespräch“ angeschaut und frage mich ernsthaft, ob Frau Maischberger am Ende am Klimawandel zweifelt? Es kommt mir jedenfalls ganz so vor. Und wenn sie Herrn Precht nicht glaubt, vielleicht Herrn Prof. Dr. Harald Lesch? Tut mir wirklich leid, wenn ich das sagen muß, aber jetzt ist einfach Schluß mit lustig; jetzt wird es wirklich ernst. Anscheinend gibt es immer noch Leute, die das nicht begreifen. Ja, ok, vielleicht löst sich der ganze Klimawandel ja noch in Wohlgefallen auf. Ich glaub’s einfach nicht!

Mit freundlichen Grüßen,

Claus Cyrny, Ludwigsburg“

Zum Kosovo-Krieg

Am Abend des 24. März 1999 griff einen Allianz aus NATO-Kräften im Rahmen der Operation „Allied Force“ den Kosovo an. Zu diesem bis heute umstrittenen, weil nicht durch ein UN-Mandat gedeckten Eingreifen habe ich gleich mehrere Artikel entdeckt. Auf der Seite des „Deutschlandfunk“ ist „Der Tag, an dem die NATO eingriff“ zu finden.

Zitat:

„Auf jeden Fall war die Bombardierung völlig unnötig, besonders wenn man ihre Begründung berücksichtigt. Sie wissen selbst, dass diese ganze Kampagne keine Genehmigung der Vereinten Nationen hatte. Es ist bedauernswert, dass die 19 mächtigsten NATO-Länder ein kleines Serbien angreifen und hoch vom Himmel aus bombardieren, wo sie sie weder sehen noch hören können und nichts haben, womit sie sich verteidigen können.“–Ein ehemaliger, namentlich nicht genannter Berufsoffizier via „Deutschlandfunk“

Ein weiterer Artikel auf der Seite des MDR ist „Wie es zum Krieg im Kosovo kam“ betitelt.

Zitat:

„Am 24. März 1999 begannen die Luftangriffe der Nato auf die Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro), die bis zum 10. Juni dauerten. Die Nato koordinierte ihre Aktionen im Kosovo mit der UCK1.“–Andrej Ivanji

Und noch – diesmal auf der Seite der „Süddeutschen“ – ein Artikel, der die Völkerrechtsproblematik dieses Einsatzes beleuchtet.

Zitat:

„Die Charta der Vereinten Nationen erlaubt Gewalt zwischen Staaten nur in zwei Fällen: zur Selbstverteidigung und nach einer Billigung durch den Sicherheitsrat. An beidem fehlte es in Kosovo, das seinerzeit zu Serbien gehörte.“–Stefan Ulrich

1 Die UCK (Kosovo-Befreiungsarmee) war von der NATO zuerst als Terroristen eingestuft worden.

In Stuttgart (15)

Da ich gestern nach dem Besuch des Kunstmuseums Stuttgart total vergessen hatte, meinen Rucksack aus dem Schließfach zu nehmen, bin ich heute nochmal hingegangen – auch, um mir den Titel dieser komischen Installation1 aufzuschreiben.

Danach war ich noch im „Hüftengold“ am Olgaeck, einen Schümli trinken und ein Bircher Müsli (empfehlenswert!) essen. War ganz überrascht von der guten, entspannten Atmosphäre, ungeachtet der Tatsache, daß sich am Nebentisch drei Frauen laut unterhalten haben. Auch die Bedienungen waren ausnehmend nett, so daß ich beim Zahlen gerne ein Trinkgeld gegeben habe. Dann wieder zurück nach Ludwigsburg.

1 Stephan Huber: „Lenins flammende Rede zur Elektrifizierung“ (1984). Ich sehe schon, ich muß das mal fotografieren, denn a) gibt es im Internet kein ordentliches Foto und b) habe ich nicht die Rechte daran.