Kostenloser ÖPNV? (2)

Busse der SSB am Stuttgarter Schloßplatz. Quelle: VVS.

Auf eine Anfrage per Email an das Büro des Stuttgarter Oberbürgermeisters Dr. Frank Nopper habe ich ganz unerwartet schnell Antwort bekommen. Ein kostenloser ÖPNV in Stuttgart würde „weit über € 100 Millionen“ kosten. Das wäre vermutlich nur möglich, wenn da der Bund etwas zuschießen würde. Aber: Wenn das bei Stuttgart 21 geht, wo die Kosten immer weiter und weiter steigen, weshalb nicht beim ÖPNV?

In Planung ist jedenfalls ein Ticket für Jugendliche, Schüler und Studenten, das pro Jahr € 365 kosten soll. Nur zum Vergleich: Ich selbst bezahle für meine netzweit gültige polygoCard knapp € 700,- pro Jahr, also knapp das Doppelte.

Ich habe seit 1990 kein Auto mehr und möchte auch keins haben, selbst wenn ich mir eins leisten könnte. Mit dem ÖPNV des Stuttgarter Verkehrsverbunds VVS bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Es gibt nun für das Stadtgebiet Stuttgart auch nur noch eine einzige Zone, während es in den Neunzigerjahren noch vier Zonen waren: eine Kernzone und drei Zonen für die Randgebiete der Stadt.

Email an die Bundeswehr

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wüßte gerne, weshalb die NATO entgegen anderslautenden Zusagen gegenüber Rußland nach Osten hin erweitert wurde.

Mit freundlichen Grüßen,

Claus Cyrny“

Keine Antwort, wie üblich. Dabei stand vor der betreffenden Email-Adresse ausdrücklich „Bürgerdialog“. Was ist da los? War die Frage zu unbequem?

Neusprech

Bei dem Namen Bundesministerium der Verteidigung1 stellt sich der Eindruck ein, daß die Bundeswehr rein defensiv sei. Im Widerspruch dazu stehen aber der Angriffskrieg 1999 im Kosovo. Das wird gern unter den Teppich gekehrt. Ich kann mir nicht helfen, aber dazu fällt mir unwillkürlich George Orwells Neusprech (engl.: Newspeak) ein.

1 Die Amerikaner machen es genauso: Dort heißt es U. S. Department of Defense.

Wem soll man glauben?

Diese Frage stellt sich mir, nachdem ich mir auf meinen Beitrag „Perspektivwechsel“ hin den Eintrag zu Gabriele Krone-Schmalz in der deutschen Wikipedia überflogen habe, ist dort doch z. T. massive Kritik an ihren Büchern – wie z. B. „Russland verstehen“ – gepostet. Muß man dann, so frage ich mich, erst einen ganzen Haufen Sekundärliteratur durcharbeiten, ehe man sich ein Urteil über ein bestimmtes Buch erlauben kann?

Perspektivwechsel

Cover © Copyright 2015 by C. H. Beck

Wer Russland einmal von einer anderen Seite sehen will, dem sei das Buch „Russland verstehen“ von Gabriele Krone-Schmalz empfohlen.

Zitat:

„Haben Sie einmal darauf geachtet, wie in Politik und Medien beim Thema Ukraine mit den Begriffen EU und Europa umgegangen wird? In gefühlten neunzig Prozent der Fälle müsste es EU und nicht Europa heißen. Aber diese Begriffe lösen Unterschiedliches aus, weil sie unterschiedlich besetzt sind. Platt formuliert: Europa stellt einen Wert dar, die EU eher ein Ärgernis und zunehmend ein Risiko. Es sind diese entlarvenden unterschwelligen Wertungen, die immer wieder zeigen, wie tief das negative Russlandbild sitzt.“–Gabriele Krone-Schmalz

Ja, das „negative Russlandbild“. Ich persönlich halte jede Schwarz-Weiss-Malerei für gefährlich, weil sie der viel komplexeren Realität zu wenig Rechnung trägt. Wir kennen das ja aus unseren Medien: die „gute“ EU (oder NATO) und das „böse“ Russland. Hier gilt es gegenzusteuern, und der erste Schritt ist, sich gut zu informieren. Dazu bietet sich, wie ich finde, das obige Buch an.

Weiterführende Links: Mein Beitrag „Angriff auf die Ukraine?“ sowie ein Interview mit Gabriele Krone-Schmalz bei den Nachdenkseiten1.

Zitat:

„Die USA haben keinerlei Interesse an einem wie auch immer geeinten oder zusammenarbeitenden Eurasien. Das kann man auch schwarz auf weiß in entsprechenden Strategiepapieren nachlesen.“–Gabriele Krone-Schmalz

Weiterführender Link: Der Artikel „Sie haben eine Art, die mir auf die Nerven geht“ beim „Spiegel“.

1 Es scheint sich hier allerdings um Corona-Leugner zu handeln.

Abrüstung?

Foto von Suzy Brooks auf Unsplash

Im Koalitionsvertrag der Ampel heißt es auf Seite 145 u. a.:

„Wir brauchen eine abrüstungspolitische Offensive und wollen eine führende Rolle bei der Stärkung internationaler Abrüstungsinitiativen und Nichtverbreitungsregimes einnehmen, u. a. bei der Stockholm-Initiative für Nukleare Abrüstung.“

Im Widerspruch dazu steht allerdings der Artikel „Verteidigungshaushalt soll im Jahr 2022 weiter steigen“ auf der Seite des Bundesministeriums der Verteidigung. Geplant ist eine Ausgabe von € 49,29 Milliarden für das kommende Jahr, das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 5%.

Auf der Website des Bundesministeriums der Verteidigung heißt es:

„„Sicherheit kostet nun einmal Geld. Über die Bedrohungen für Deutschland und die EU wird vielleicht noch nicht breit gesprochen, dennoch sind sie real“, betont Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer.“

Wenn der Ampel die Abrüstung ernst ist, müßte diese Erhöhung konsequenterweise wieder rückgängig gemacht werden. Ich wage aber zu behaupten, daß das nicht passieren wird, denn:

„Für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschlands und Europas, für die Fähigkeiten der Bundeswehr und die Einhaltung der internationalen Zusagen sind deshalb wesentlich höhere Verteidigungsausgaben notwendig. Dieser Bedarf wird im Fortgang des Verfahrens, auch nach der Wahl zum Deutschen Bundestag, weiterhin konsequent formuliert werden.“–Bundesministeriums der Verteidigung

Warum nicht?

Sowohl im Koalitionsvertrag als auch im Ergebnis der Sondierungen der Ampel-Koalition steht eben jener Satz:

„Ein generelles Tempolimit wird es nicht geben.“

Allein damit macht sich die Ampel imho unglaubwürdig, würden bei einem einzuführenden Tempolimit nicht nur 2 Millionen Tonnen CO2 eingespart, nein, es gäbe auch weniger Tote auf den Autobahnen. Dabei frage ich mich dann auch ernsthaft, ob Herr Lindner den Angehörigen dieser vermeidbaren Toten ins Auge sehen kann, aber vermutlich interessiert ihn das nicht. Das ist wieder mal typisch: Die Bürger sind doch blöd, die merken das eh nicht. Dazu fällt mir auch ein Ausspruch ein – ich meine, er kommt von Josef Stalin -: „Ein Toter ist eine Tragödie, Millionen Tote sind Statistik.“

Weiterführender Link: Der Video-Kommentar „Ohne Tempolimit keine Verkehrswende“ von Heribert Prantl von der „Süddeutschen“.

Schlaflos in Ludwigsburg (25)

Es ist 01:20 Uhr. Versuche, mir darüber klar zu werden, wie der Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP auf mich wirkt. Irgendwie erscheint er mir zu positiv, so als wäre Deutschland ein Wolkenkuckucksheim. Hmmm, kann das sein? Ansonsten: Milchkaffee, wie üblich um diese Zeit. Am 18.11. kam mein zweiter Artikel für die Zeitschrift LinuxUser heraus, in dem es um „Chroma Keying mit dem Gimp“ geht.