Hartz IV und das Bürgergeld

Gestern erschien beim „Merkur“ ein Artikel, der das neue Bürgergeld zum Thema hat. Vom Ton her mäßig kritisch, werden zwar kritische Stimmen zitiert, Autor Patrick Freiwah bleibt aber sachlich. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das sogenannte Lohnabstandsgebot, aber ich meine, warum ist es denn so schwierig, hier in Deutschland Arbeit ordentlich zu bezahlen? Die Lösung kann dann doch nicht die sein, ALGII-Empfänger unter das Existenzminimum zu drücken, sondern man muß dann in Gottesnamen einfach den Mindestlohn dementsprechend erhöhen, und sage mir bloß, dazu sei kein Geld da. Für millionenschwere Managergehälter sind die Mittel doch auch da.

Schlaflos in Ludwigsburg (45)

Bin kurz vor Mitternacht aufgewacht – es ist jetzt 00:55 Uhr. Da ich nicht mehr einschlafen konnte, habe ich mir einen Milchkaffee gemacht. Wie man bei einem Blick in die Vergangenheit sehen kann, hat jede Zeit ihre Ungereimtheiten, wie man wieder mal sehen kann. Hieß es vor der Wahl noch „Wir wollen Hartz IV hinter uns lassen“, wird es jetzt – abgesehen von ein paar kosmetischen Änderungen – im Prinzip beibehalten. Da hätte man ehrlicherweise auch den Namen beibehalten können. So etwas ärgert mich.

Habe mittlerweile 1924 Beiträge geschrieben und werde vermutlich noch diesen Monat den 2000-sten Beitrag erreichen.

Und: Denglisch ist ja schwer in Mode (seht nachfolgende Information bei XING):

Screenshot © Copyright 2021 by New Work SE.

Keine Firma ohne einen CompetenceCenter. Merke: Wenn’s Denglisch ist, hört sich das gleich kompetenter an.

Gute Arbeit?

Screenshot von der Website der LINKEN

Ich meine, das ist ja löblich, wenn Die LINKE „Gute Arbeit für alle“ fordert, nur: das ist leider ein veraltetes Paradigma, eben noch 20. Jahrhundert. Im Zuge der Digitalisierung werden Millionen von Jobs wegfallen. Zielführend ist meiner Ansicht nach eher, die Begriffe „Arbeit“ und „Freizeit“ neu zu definieren und etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen – etwas, das Die LINKE offenbar auch im Sinn hat.

Zitat:

„Die Linke will Hartz IV durch ein Mindesteinkommen von 1.200 Euro ersetzen. Und bis das geschieht, sollte Hartz IV umgehend auf 658 Euro erhöht werden, plus Übernahme der Wohn- und Stromkosten. Dieser Betrag ergibt sich, wenn man in Rechnung stellt, wieviel Geld zu einem Leben in Würde wirklich notwendig ist.“–Die LINKE

Warum, so frage ich mich, tun sich unsere Regierenden mit der (im Grundgesetz garantierten) Würde des Menschen so unglaublich schwer? Auf gut Deutsch nennt man so etwas Heuchelei.

Trauerspiel

Ich mache mir als nur indirekt Betroffener – ich beziehe Grundsicherung – immer noch Gedanken über den Hartz-IV-Regelsatz. In einem diesbezüglichen Artikel heißt es ja u. a.:

„Es ist nicht zu fassen, dass die Bundesregierung die Armen wieder einmal im Regen stehen lässt.“–Ulrich Schneider

Das ist imho ganz charakteristisch für dieses Unrechtssystem, in dem sozial Schwache diskreditiert werden, während man die Reichen vorne und hinten schont (der Discounter Aldi – mit den beiden reichsten Deutschen an der Spitze – bezieht anscheinend sogar Beihilfen vom Staat). Von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder gibt es ja den Ausspruch „Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft.“. Da wird meiner Meinung nach aber ganz infam gegen sozial Schwache gehetzt. Nun werden wir ja vermutlich in der Nikolauswoche eine neue Regierung bekommen, und wir werden dann ja sehen, wie das mit Hartz IV weitergeht.