Jean Ziegler: „Was ist so schlimm am Kapitalismus?“

Auf dem Foto: Jean Ziegler. Mit freundlicher Genehmigung.

Während der vergangenen Tage habe ich mir das kritische Buch „Was ist so schlimm am Kapitalismus?“ von Jean Ziegler durchgelesen. In Dialogform geschrieben, antwortet der Autor auf Fragen seiner Enkelin Zohra zum Themenkomplex „Kapitalismus“. Auf einiges gefaßt, mußte ich nach der Lektüre erkennen, daß die Situation, wenn man Jean Ziegler glauben will, noch schlimmer ist als erwartet, ob es um Kinder in Guatemala oder Coltan-Minen im Kongo geht. Der Autor gibt denn auch die Einschätzung ab, daß der Kapitalismus nicht reformierbar ist, sondern abgeschafft werden muß. Nur wie das gehen soll, darüber ist sich auch Jean Ziegler unschlüssig. Das ist denn auch mein Eindruck: Es mangelt uns (noch?) an gangbaren Gegenentwürfen zum allgegenwärtigen Kapitalismus-Modell. Eines ist aber klar: So kann und darf es nicht weitergehen.

Weiterführende Links: Mein Beitrag „Jean Ziegler“ sowie Jean Ziegler bei Markus Lanz (YouTube-Video).

Johny Pitts: „Afropäisch“

Cover © Copyright by Suhrkamp Verlag. Mit freundlicher Genehmigung.

Über die Website der „Deutschen Welle“ bin ich auf das Buch „Afropäisch“ von Johny Pitts gestoßen. Pitts lebt in Sheffield in Nordengland und war in ganz Europa unterwegs, um sich ein Bild über die Situation der dort lebenden Schwarzen zu machen. Er hat auch eine eigenen Website zum Thema.

In Stuttgart (5)

Da ich heute vormittag nichts zu tun hatte, beschloß ich , einen Abstecher nach Stuttgart zu machen. Im Bonatzbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs sah ich mich nach evt. Anzeichen von Renovierungsarbeiten um – vergeblich. Das geht, wie ich schon moniert habe, jetzt seit über einem halben Jahr so. In der Holanka-Bar im „Wittwer“ einen Crema und einen Mandelberg. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, nach einem bestimmten Buch zu schauen, aber leider war mir der Titel entfallen, und da auch die Abteilung im 4. Stock mit den Grafikbüchern nichts für mich Interessantes bot, machte ich mich auf den Rückweg nach Ludwigsburg. Im wartenden RegioExpress ein verschlagen aussehender Mensch, der schnell an mir vorbei ging. Wieder in Ludwigsburg, wollte ich eigentlich den 413er nehmen; allein redete da ein farbiger Fahrgast so laut in sein Handy, daß ich wieder ausstieg und zu Fuß ging. Heute abend ist wieder Blender-Meetup über Discord, und Donnerstag in einer Woche wollen wir uns wieder mal im „Blauen Engel“ neben der Filmakademie treffen.

Albrecht Müller: “Die Revolution ist fällig. Aber sie ist verboten”

Cover © Copyright 2020 by Westend-Verlag, Frankfurt. Mit freundlicher Genehmigung.

Revolution in Deutschland? Ok, wir hatten die friedliche Revolution von 1989, als das Unrechts-Regime der DDR sich aufgelöst hat, aber jetzt? Uns geht es doch gut. Autor Albrecht Müller fordert in seinem gerade erschienenen Buch “Die Revolution ist fällig” aber genau das. Dabei ist Albrecht Müller alles andere als ein Revoluzzer. Geboren 1938, erlebte er noch den Zweiten Weltkrieg mit und politisierte sich schon früh mit zwölf Jahren. 1972 war er für den Wahlkampf des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt (“Willy wählen!”) zuständig und leitete unter Willy Brandt und dann unter dessen Nachfolger Helmut Schmidt die Planungsabteilung des Kanzleramtes. Von 1987 bis 1994 war er für die SPD Mitglied des Deutschen Bundestages. Albrecht Müller weiß also, wovon er redet.

Ein kurzer Auszug aus dem Vorwort seines neuen Buches zeigt, worum es ihm geht:

Von außen betrachtet haben wir eine schöne Demokratie. Formal gesehen gibt es die Chance zum politischen Wechsel. Es finden Wahlen statt. Von außen betrachtet werden wir gut regiert und es geht uns gut. Tatsächlich stimmt der schöne Satz unseres Grundgesetzes, alle Gewalt gehe vom Volk aus, seit Langem nicht mehr. Tatsächlich gibt es hierzulande statt Fortschritt Rückschritt.”—Albrecht Müller

Den Umschwung verortet Albrecht Müller ziemlich genau auf das Jahr 1980. Damals war Helmut Schmidt noch Bundeskanzler, aber schon da war der Einfluß der neoliberalen Kräfte überall spürbar.

Und – noch ein kurzes Zitat:

Jetzt ist in allen Feldern Restauration angesagt. Was das heißt, werde ich an einigen Beispielen beschreiben.”Albrecht Müller

Wenn man/frau von Revolution redet, dann taucht automatisch die Frage auf: Warum? Wir haben doch eine sogenannte Demokratie, in der die Bürger Politiker wählen oder auch abwählen können. Das Problem scheint mir hier zu sein, daß sich – und darauf weist Albrecht Müller in einem Interview zu dem Buch hin – die etablierten Parteien immer weniger voneinander unterscheiden, so daß der so hochgelobte Pluralismus, der angeblich bei uns herrschen soll, real gar nicht mehr gegeben ist. Ein Beispiel von vielen ist, daß die ehemalige Arbeiterpartei SPD anno 2005 das ungeliebte Arbeitslosengeld II (im Volksmund “Hartz IV”) eingeführt hat. Das hätte sehr wohl auch von einer CDU-geführten Regierung kommen können.

Was ich aus eigener Erfahrung – 18 Jahre Sozialhilfesatz – ergänzen kann, ist, wie unwürdig man teilweise – nicht überall – behandelt wird, wenn man/frau vom Sozialhilfesatz leben muß. Nicht genug damit, daß man/frau mit so wenig auskommen muß, daß es kaum reicht – nein: Man/frau wird beispielsweise gezwungen, einmal im Jahr die Kontoauszüge offenzulegen; selbst bei den notwendigsten Anschaffungen bekommt man/frau zu hören, man/frau müsse “ansparen” – nur: wovon? Ich kann mir nicht helfen, aber aus eigener Erfahrung komme ich zu dem Schluß, daß diese Schikane System hat.

Ein weiterer Gesichspunkt, den Albrecht Müller in seinem Buch anspricht, ist die – von oben gewollte und unterstützte – immer ungleichere Vermögensverteilung in Deutschland, die aber in der öffentlichen Diskussion – man/frau kann sich hier fragen, warum – kaum thematisiert wird. So besitzt das wohlhabendste eine Prozent der Superreichen in Deutschland allein 25% des Gesamtvermögens, während die untere Hälfte der Bevölkerung lediglich 1 Prozent dieses Vermögens besitzt. Albrecht Müller erwähnt in diesem Zusammenhang den französischen Ökonomen Piketty, der zur Vermögensverteilung recherchiert und eine Studie veröffentlich hat.

Und die mögliche Lösung?

Gibt es einen Ausweg? Ja, die Vermögen neu verteilen. Aber genau dies wird mit gewalttätigem Widerstand beantwortet werden. Was bleibt dann noch? Die notwendigen großen Veränderungen vorbereiten. Durchdenken. Durchkneten. Formulieren. Vorarbeiten für eine Neue Gesellschaft. Ansonsten: Überleben. Unter Freundinnen und Freunden. Sich mehr als bisher zusammentun. Das ist keine großartige Perspektive. Dennoch besser als nichts.”Albrecht Müller

Tja, die “notwendigen großen Veränderungen vorbereiten”. Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob das in diesem Unrechtssystem, das wir de facto haben, überhaupt möglich ist, aber auch das Unrechtssystem in der DDR hat sich langfristig nicht halten können. Gibt es also doch Hoffnung?

Benjamin Givan: „The Music Of Django Reinhardt“

„Django Reinhardt, 1946“ William P. Gottlieb/Ira and Leonore S. Gershwin Fund Collection, Music Division, Library of Congress.

Bin gerade mehr oder weniger durch Zufall auf „The Music Of Django Reinhardt“ von Benjamin Givan gestoßen (-> Google Books). Der Autor hat über 200 Solos von Django Reinhardt transkribiert, und da ich selber ein großer Django-Reinhardt-Fan bin, werde ich mir dieses Buch, das ich leider erst jetzt entdeckt habe, bestimmt kaufen.

10:50 Uhr

Da ich beim Editieren meines zu Dreivierteln fertigen Romans auf Probleme beim Einrücken gestoßen bin, habe ich im einem LibreOffice-Forum gepostet. Den Antworten nach zu schließen bin ich mir aber nicht so sicher, ob das eine so gute Idee war. Jedenfalls habe ich die Lösung auch so gefunden: Indem ich am Anfang eines Abschnitts erst ein Leerzeichen tippe, kann ich den ersten Satz mit [TAB] einrücken (was vorher aus irgendeinem Grund nicht mehr ging). Und: Wenn der ganze Text erst mal in ein PDF konvertiert ist, spielen solche technischen Probleme sowieso keine Rolle mehr.

12:24 Uhr

War heute mal wieder in Stuttgart, einen Kaffee trinken. Im Bonatzbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs tut sich immer noch nichts. Lediglich die Leinwände mit Graffiti stehen an den Wänden herum. Im Prinzip geht diese sichtbare Untätigkeit seit Weihnachten so.

In der Holanka Bar das obligatorische, corona-bedingte Zettel-Ausfüllen, dessen Sinn ich irgendwie in Frage stelle, denn wer will aus den vermutlich hunderten von Zetteln denjenigen herausfinden, den ein Infizierter ausgefüllt hat?

Kurze Lektüre von John le Carrés neuem Buch „Federball“ (engl: „Agent Running In The Field“). Finde den deutschen Titel wenig ansprechend; mit Agenten hat er eigentlich gar nichts zu tun. Die Hauptperson spielt eben gerne Badminton.

Bei John le Carré fällt mir spontan Frederik Forsyths „Der Schakal“ ein, den ich denjenigen, die gerne Thriller lesen, unbedingt empfehlen kann.

07:02 Uhr

Bin schon seit ca. 03:30 Uhr wacht. Der vibratolose Gesang von Alba Armengou erinnert mich an das, was Ruy Castro in seinem Buch „Chega de Saudade“ (dt.: „Bossa Nova“) darüber geschrieben hat, wie João Gilberto den Bossa-Nova-Gesang entwickelt hat. Ich kann dieses Buch jedenfalls allen empfehlen, die sich für brasilianische Musik im Allgemeinen bzw. Bossa Nova im Besonderen interessieren. Neben einem spannend geschriebenen geschichtlichen Abriß sind in dem Buch viele Anekdoten zu finden. Für mich persönlich jedenfalls die definitive Geschichte des Bossa Nova.

Gehe heute nicht zum Trölsch, weil ich mir gestern meine E-Gitarre bestellt habe und jetzt auf den Verstärker spare.

Lektüre

Cover © Copyright 2014 by Bettina K. Lechner, O’Reilly. Mit freundlicher Genehmigung.

Nachdem ich mir die Hardcover-Version von „Gimp 2.8“ von Bettina K. Lechner aus der Bücherei ausgeliehen habe, lese ich jetzt so ziemlich von Anfang an. Ich muß dabei feststellen, daß auch ich als langjähriger Gimp-Benutzer von diesem Buch bzw. von dem, was ich bisher gelesen habe, profitieren kann. Frau Lechner erklärt wirklich die kleinsten Details, die ich z. T. gar nicht mehr wahrnehme. So weist sie beispielsweise auf die Einstellmöglichkeit von Hoch- bzw. Querformat hin (S. 31). Das sind zwei kleine Icons, die ich bisher total übersehen hatte. Ich habe eben bei der Anlage eines neuen Dokuments ([Strg]+[N]) immer nur Höhe und Breite ins Fenster eingetippt. So ist dieses Buch ein gutes Nachschlagewerk, das mit 406 Seiten auch nicht übermäßig umfangreich ist und das im Großen und Ganzen auch für den Gimp 2.10 verwendet werden kann.

Leider ist die Printausgabe mittlerweile vergriffen und eine – evt. aktualisierte – Neuauflage lt. Verlag nicht geplant. Erhältlich ist nur noch das E-Book.

E-Books

Der Verlag O’Reilly hat mir ja ein PDF von Bettina K. Lechners Buch über den Gimp 2.8 zur Verfügung gestellt. Ich habe mich auch wirklich bemüht, das PDF durchzulesen, aber ich finde das doch so schwierig, daß ich beschlossen habe, doch keine Besprechnung zu schreiben. Schade eigentlich, denn das Buch ist wirklich sehr kenntnisreich und sympathisch geschrieben. Ich habe aber schon Probleme, wenn ich mir nur ein einziges Kapitel durchlese. Wenn ich die Seite umblättern will, springt mir das PDF viel zu weit nach unten, so daß ich die betreffende Seite nur mit Mühe wiederfinde, und das wie gesagt bei einem Buch von über 400 Seiten. Vielleicht leihe ich mir das Buch aus der Bibliothek aus und schreibe wenigstens noch eine kürzere Besprechung. Ich dachte ja auch, daß ich wegen der auf mich zukommenden CinePaint-Dokumentation keine Zeit mehr für Buchbesprechungen haben würde, aber das mit CinePaint verzögert sich doch, wie lange, weiß ich nicht.