Fotoprojekt (2)

Ich habe an anderer Stelle ja schon erwähnt, daß ich gerne im Rahmen eines Fotoprojekts Leute am Ludwigsburger Busbahnhof fotografieren möchte. Bisher habe ich das wegen dem „Recht am eigenen Bild“ auf Eis gelegt, aber schade finde ich das schon. Jetzt möchte ich als ersten Schritt mal versuchen, ob ich bei einem Bäcker die Erlaubnis erhalte, zu fotografieren.

Projekt „Desmond Blue“ (13)

Projekt „Desmond Blue“ (Frame). © Copyright 2021 by Claus Cyrny. Alle Rechte vorbehalten.

Als ich gestern abend mit der S-Bahn von Stuttgart zurück nach Ludwigsburg gefahren bin, habe ich die Möglichkeit ausgetestet, aus dem Fenster – draußen war es schon dunkel – zu filmen. Das Problem dabei sind die starken Reflexionen auf der Fensterscheibe, und wie ich das lösen soll, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht genau. Mir schwebt dabei einen Pappe oder so vor, die ich auf die Gegenlichtblende kleben könnte und die das Licht in der S-Bahn abschirmt.

Ideen

Wie wäre es denn mit einem „Ministerium für Systemoptimierung“, das Prozesse auf ihre Effizienz hin untersucht und dazu beiträgt, Bürokratie abzubauen? Auch sinnvoll, weil man dadurch Kosten sparen kann: ein Gesetz, das Steuerverschwendung unter Strafe stellt. Ich meine, mich zu erinnern, daß der „Bund der Steuerzahler“ hier mal die Summe von € 30 Milliarden an jährlich verschwendeten Steuern genannt hat.

Parallelen

In einem gelben Ordner habe ich eine Buchseite, die ich mir vor Ewigkeiten mal kopiert habe. Leider weiß ich den Titel des Buches nicht mehr. Ich möchte hier aber zwei kurze Auszüge posten, und zwar geht es darum, wie John Lennon und Paul McCartney komponiert haben.

John Lennon:

„Da liege ich also irgendwie herum, und das Ding kommt als Ganzes, also Text und Musik, und ich denke, kann ich dann überhaupt behaupten, ich hätte es geschrieben?“–John Lennon

Und Paul McCartney (über „Yesterday“):

„Das Klavier stand neben dem Bett, und ich muß es geträumt haben, weil ich aus dem Bett stolperte, die Finger auf die Tasten legte und eine Melodie im Kopf hatte. Sie war schon da, das ganze Ding. Ich konnte es nicht glauben.“–Paul McCartney

Heute nun habe ich so etwas in der Biografie von J. K. Rowling gelesen, die etwas Ähnliches erlebt hat:

„Im Jahr 1990 befand sie sich auf einer vierstündigen verspäteten Zugfahrt von Manchester nach London, als ihr die Idee für eine Geschichte über einen kleinen Jungen, der eine Zauberschule besuchte, „voll ausgestaltet“ war.“–Wikipedia

Und im zweiten, „Nachgedanken zum Leben nach dem Tod“ betitelten Buch von Raymond Moody zum Thema „Nahtoderfahrung“ gibt es ein „Visionen des Wissens“ betiteltes Kapitel.

Zitat:

„Manche Menschen haben mir erzählt, sie hätten während ihrer Begegnung mit dem „Tod“ einen flüchtigen Blick erhascht auf einen ganzen, in sich geschlossenen Seinsbereich, wo alles Wissen – das gewesene, das gegenwärtige und das zukünftige – zu koexistieren schien in einem gleichsam zeitlosen Zustand.“–Raymond Moody

Solche Dinge faszinieren mich, und ich wollte das einfach mal so unkommentiert posten.

Substanzverlust

Auch 12 Jahre nach meinem beim „American Chronicle“ veröffentlichten Beitrag „On Substance“ gilt das, was ich damals konstatiert habe, leider immer noch. Die Rede ist vom für mich ganz offensichtlichen kulturellen bzw. kreativen Substanzverlust. Die Frage ist nun, wie wir diese kreative Talsohle überwinden können. Der erste Schritt dazu wäre m. E., daß die Tatsache zunächst einmal ins allgemeine Bewußtsein eingeht. Gegen ein Problem, das man/frau noch nicht einmal als solches erkannt hat, läßt sich eben wenig machen. Der zweite, darauf folgende Schritt wäre der, aus den eingefahrenen Gleisen auzubrechen und Neues zu wagen, zu experimentieren.

Wie kommt das aber nun, so könnte man fragen, daß dieser Verlust an kreativer (man/frau könnte auch sagen: spiritueller) Substanz nicht im Bewußtsein der Allgemeinheit ist? Eine mögliche Antwort wäre: Weil diese Allgemeinheit viel zu sehr im „Hier und Jetzt“ lebt, statt die Dinge in einem größeren (auch: historisch größeren) Zusammenhang zu betrachten.

Am augenfälligsten ist diese Stagnation in der Pop-Musik, und ich meine, es kann mir doch niemand erzählen, daß die Pop-Künstler, die aktuell so erfolgreich sind, nicht wissen, wie sehr sie teilweise ihr Publikum verdummen, frei nach dem Motto: „Es merkt doch eh‘ niemand.“

Das bringt uns zum Begriff der Qualität. Was für eine Ursache diese Entwicklung hat, kann ich leider nicht sagen, aber es läßt sich bei näherer Betrachtung der Geschichte der Pop-Musik nicht leugnen, daß deren Qualität dramatisch (!) abgenommen hat. Man schaue sich nur einmal an, was in den so fruchtbaren Sechzigerjahren alles geschaffen wurde. Das zu leugnen führt dann zu der Entwicklung, die wir gerade erleben.

P. S.: Als ergänzende Lektüre möchte ich das Buch „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig empfehlen, das sich eingehend mit dem Begriff „Qualität“ beschäftigt.