Featuritis

Mit „Find My Way“ (2021) hat sich Ex-Beatle Paul McCartney endgültig der aktuellen Featuritis angepaßt (Sowieso feat. Sowieso). Digital verjüngt, bietet Paul McCartney aber leider nur den Einheitsbrei, der gerade en vogue ist. Schade! Aber: Ist es nicht etwas zuviel verlangt, daß ein Künstler nach einer über sechzigjährigen Karriere neue Impulse setzt?

Schlaflos in Ludwigsburg (5)

Und wieder bin ich schon eine Stunde wach. Habe vor ein paar Tagen auf Waipu TV den Musiksender XITE entdeckt, auf dem pausenlos substanzloses Gedudel läuft. Ich kann sowas gar nicht ernst nehmen. Am 1. August ist mein Probeabo von Waipu TV ja sowieso beendet, dann braucht mich das gar nicht mehr zu tangieren.

Schlaflos in Ludwigsburg (4)

Es ist jetzt 02:59 Uhr und ich bin schon ca. eineinhalb Stunden wach. Trinke meinen zweiten oder dritten Milchkaffee und denke u. a. über die Qualität des deutschen Fernsehens nach. Spontan fällt mir „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff ein – was jüngere Leute ja gar nicht mehr kennen. Das war noch in den Siebzigerjahren, vor der unseligen Privatisierung.

Muß daran denken, wie ich vor nicht allzu langer Zeit noch zehn, zwanzig Beiträge pro Tag geschrieben habe. Was gerade fehlt, ist der „Flow“, um mal – ganz im Trend – ein denglisches Wort zu benutzen. Heutzutage wird ja alles und jedes eingeenglischt (anglifiziert). So hat jede Firma, die etwas auf sich hält, ihren CompetenceCenter. Na ja.

Schlaflos in Ludwigsburg (3)

Bin wieder mal mitten in der Nacht aufgewacht und kann nicht mehr einschlafen. Auf Waipu TV „The Aviator“, ein Film mit Leonardo DiCaprio. Am 1. August läuft mein kostenloses Probe-Abo von Waipu.tv aus, worüber ich aber nicht unglücklich bin. Habe keine Lust auf schlechte deutsche Serien oder volksverdummende Shows à la „Shopping Queen“. Das einzige Highlight sind Filme wie der sehr empfehlenswerte „Der talentierte Mr. Ripley“ mit einem noch jungen Matt Damon in der Titelrolle. Mit der Privatisierung des deutschen Fernsehens 1984 haben die Verantwortlichen den Zuschauern jedenfalls keinen Gefallen getan.

Heute morgen

War heute morgen schon einkaufen. An der Einfahrt zum Busbahnhof, dort, wo die Busse parken, jeden Morgen ein Mann, Hände in den Hosentaschen, die hellblaue Gesichtsmaske unters Kinn geschoben, unterhält er sich mit den Busfahrern und steht ansonsten nur da und beobachtet die Schüler auf der anderen Straßenseite, die auf den 423er warten, der sie zum Berufsschulzentrum bringt. Wofür der Mann eigentlich bezahlt wird, hat sich mir bisher noch nicht erschlossen. Etwas weiter, hinter dem Busbahnhof, am Anfang der Myliusstraße, ein älterer Flaschensammler, der mit gebeugtem Rücken seinen Karren hinter sich herzieht. Ich sehe ihn manchmal im Rewe, wo er seine leeren Flaschen abgibt. Bettler waren heute morgen noch keine da. Dafür im Rewe das übliche Top-40-Gedudel.

Dudel-Pop (9)

Zwei Zitate, Kommentare zu dem YouTube-Video „Why Today’s Music Is So BORING“ von Rick Beato:

  • „This is the same problem in ALL media now. They’ve dumbed down movies, TV, comics, everything into formulas that are safe and on a track they think are easy to produce and will turn enough of a profit to justify their jobs. As long as people keep eating up enough of this mediocre media, it will keep happening. If they get bored enough/wake up enough, maybe things will change.“–The Hylden
  • „All declining civilizations reach a point where all their creative forms (music, art, architecture, and literature) become exhausted and everything after that becomes a pastiche of what came before. Western civilization passed such a point a few decades ago.“–Ethan Bartlett

Stagnation (2)

Ein wie ich finde entscheidender Faktor für die musikalische Stagnation, die wir gerade erleben, ist die Tatsache, daß die Künstler nicht mehr experimentieren, sondern auf Nummer Sicher gehen, auf „erprobte Formeln“ á la Max Martin setzen – was aber für jeden Fortschritt absolut tödlich ist. Man nehme nur das Gegenbeispiel der Beatles, die von Album zu Album immer ausgeklügeltere Ideen umgesetzt haben, von dem eingängigen, aber relativ unkomplizierten „She Loves You“ bis hin etwa zu „Revolver“ (1966) oder „Sgt. Pepper“ (1967). Das fehlt heutzutage eben.

Dudel-Pop (7)

Habe auf eine Anfrage hin, weshalb auf SWR3 keine Stücke aus den 60er- und 70er-Jahren laufen würden, sinngemäß zur Antwort bekommen, man habe da andere Prioritäten; Oldies würden bevorzugt auf SWR1 gesendet, der mehr für ältere Leute da sei. Man hoffe, daß ich auf SWR3 auch etwas nach meinem Geschmack finden würde. Na ja. Daß ich SWR3 nur zwangsweise höre, wenn ich bei meiner Nachbarin zu Besuch bin, weiß der verantwortliche Redakteur natürlich nicht. Ich kann mir die ganze Malaise – und das betrifft ja nicht nur den SWR3, sondern auch andere Radio-Stationen – nur so erklären, daß die verantwortlichen Redakteure vermutlich in den 80er-Jahren geboren wurden und die 60er- und 70er-Jahren einfach nicht mehr im Blickfeld haben, was ja an sich schon traurig genug ist. Mir wird auch klar. daß von seiten des SWR3 keinerlei Kritik an den derzeit herrschenden Zuständen zu erwarten ist. So werden wir eben weiter mit dem Max-Martin-Dudel-Pop beschallt.

Lichtblick: Radio Mephisto

Über ein paar Umwege habe ich vorhin die Seite von Radio Mephisto entdeckt, das fernab des gängigen Dudel-Pops Abwechslungsreiches und Interessantes bietet. Verantwortlich für die Musikredaktion diese Seite sind Wiebke Stark und Nelly Brändle, und man/frau kann ihnen nur dazu gratulieren, daß sie Alternativen zum Einheitsbrei à la Max Martin bringen. Bei Radio Mephisto findet sich übrigens auch eine Spotify-Playlist.