Gedanken am Vormittag

Bin auf eine Anfrage wegen Bildnutzung hin an STUDIOCANAL weiterverwiesen worden, die ich auch gleich angemailt habe. Ich würde gerne ein Still aus der Doors-Dokumentation „When You’re Strange“ posten. Seit ich auf Arte „Die letzten Tage in Paris“ angeschaut habe, eine Dokumentation über Doors-Sänger Jim Morrison, interessiere ich mich wieder mehr für die Doors. In der Musiklandschaft von heute gibt es ja leider nichts Vergleichbares.

Dann war ich heute schon in der Ludwigsburger Myliusstraße einkaufen. An Bettlern war heute nur ein junger Mann da, der den Passanten fordernd einen Hut entgegengestreckt hat. Na ja, ich gehe da einfach vorbei, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Ich frage mich auch, ob sich das lohnt, da stundenlang so auf dem kalten Boden zu sitzen. Der Marktleiter im Rewe grüßt mich praktisch nie, obwohl ich dort jeden Tag einkaufe.

Jetzt müßte auch das Relief gerahmt sein, das ich vor etwa vier Wochen gemacht habe. Ich bin damit zum Leisten-Heckmann in Stuttgart gegangen, mit dem ich sehr zufrieden bin.

Piet Mondrian: „Komposition mit Farbflächen“ (1914)

Piet Mondrian: „Komposition mit Farbflächen“ (1914). © Staatsgalerie Stuttgart. Lizenz: CC0 1.0.

Mein Lieblings-Mondrian, ein frühes abstraktes Gemälde von 1914, noch vor dem „klassischen“ Mondrian, von dem auch zwei Beispiele in der Stuttgarter Staatsgalerie hängen. Ich finde dieses in seiner Farbgebung sehr dezent gehaltene Bild wunderbar ausbalanciert.

Gedanken zum Tag

Da ich ja immer nachfrage, bevor ich fremde Bilder poste und ich ein Still aus „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) posten wollte, habe ich mich an die Everett Collection gewandt bzw. wollte mich dort registrieren. Auf eine Nachfrage hin mußte ich aber gestehen, daß ich mir Beträge von hunderten von Dollars für ein einziges Bild nicht leisten kann.

Ok, was lernen wir daraus? Es wird Bloggern so eben extrem schwer gemacht, copyright-geschütztes Material zu posten. Ich persönlich stelle nach meinen diesbezüglichen Erfahrungen der letzten Jahre auch den momentan vorherrschenden Copyright-Begriff massiv infrage, der zeitgenössische Kunst schützt, während andererseits – um nur ein Beispiel zu nennen – die „Sternennacht“ von van Gogh per KI ungestraft verhunzt werden darf. Ich nenne so etwas Doppelmoral, und meiner Ansicht nach ist gerade in Anbetracht der Möglichkeiten des Internets eine Neufassung des Copyright-Begriffs überfällig.

In Stuttgart (8)

Während ich gestern abend in Stuttgart auf einer Vernissage war, habe ich erfreut bemerkt, daß man/frau endlich wieder draußen sitzen und was essen oder trinken kann. Der ganze Schloßplatz hat vor Leben regelrecht pulsiert, ob das die Terrasse von dem Kunstmuseum war oder der Starbucks nebenan. An der Calder-Plastik ein junger Mann (religiös???), der irgendwas laut rumgeschrieen hat. Das Kunstmuseum war um diese Zeit – kurz vor halb acht Uhr abends – ungeachtet der Vernissage überraschend schwach besucht. Vielleicht mache ich mal bei schönem Wetter am Samstagabend einen Abstecher nach Stuttgart.

„On Substance“

Thomas Gainsborough: „The Blue Boy“ (1770). Copyright erloschen.

Im Folgenden ein Artikel, den ich 2009 für den inzwischen leider nicht mehr existierenden „American Chronicle“ geschrieben habe:

„While reading a book that was originally published back in 1932, I once again came (due to the style the book was written in) to realize what I had subconsciously sensed for a long time: that the very substance of art (or Western culture, for that matter) is gradually deteriorating, and whereas readers may doubt this statement, I have several points to back it up.

Some time ago, I discovered a book in the public library (it was written in German), entitled „Das 19. Jahrhundert in Briefen“ („The 19th Century in Letters“), and I was amazed by the warmth & surprising quality of style of the letters included in this book: a style that seems „old-fashioned“ by now; yet in those letters I often encountered a dregree of affection for one another that I find to be more and more absent in our present, technology-oriented time, and I am asking myself: Is this progress?


To say that—over time—things are automatically „getting better“ would imho be a grave misconception of historical development. First and foremost, one would have to ask oneself: What—after all—is „better“. Is it „more“? And „more“ of what? Quality? I don’t think so. If I take a closer look at the present state of the world around me, I am confronted with a mixture of increasing soullessness & superficiality. Clothing becomes more and more uniform; the „style“ of women’s wardrobe up to the 1950s, to take but one example, is long gone (this has changed substantially during the 1960s).


As I personally see it, this development finally leads us into a dead-end, but what would be the alternative? Can anyone „make“ a style? Isn’t it true that style subconsciously evolves during a given era, due to forces more or less unknown to us? In this case, we are only getting what we deserve. Does this sound harsh? Maybe.


To dig deeper into this subject would at least require a prolonged essay, but perhaps one way to become aware of what’s going on presently is to take a look at the past. Only by understanding the past do we really become aware of the present; otherwise, the present would be nothing more than an island aimlessly floating somewhere.

Copyright 2009 by Claus Cyrny.


Note: The work of art depicted in the image above and the reproduction thereof are in the public domain worldwide. The reproduction is part of a collection of reproductions compiled by The Yorck Project. The compilation copyright is held by Zenodot Verlagsgesellschaft mbH and licensed under the GNU Free Documentation License.“