Kunst?

Habe gerade wieder etwas mein Grafiktablett ausprobiert. Na ja, wird da mancher sagen. Dabei kommt es nur darauf an, das richtig zu vermarkten – schon ist es kein Gekritzel mehr, sondern „digitale Kunst“. Ich kenne da einen – ungenannten – Galeristen, der auch den größten Schwachsinn – ganz ernsthaft – als „Kunst“ deklariert. Heutzutage muß man/frau auf dem Kunstmarkt ja nichts mehr können – außer sich clever zu verkaufen. Da ist dann ein Ei auf einem Podest auf einmal ein paar tausend Euro wert.

Digitale Gemälde

Vor Jahren hatte ich eine Phase, wo ich mit dem Gimp und Inkscape versucht habe, digitale Gemälde zu kreieren. Hier ein Beispiel:

Digitales Gemälde. © Copyright 2012 by Claus Cyrny

Die „Teppich“-Textur habe ich mit Filter > Künstlerisch > GimPressionist... erzeugt.

Weiterführender Link: Mein Beitrag „Digitale Kunst“.

Nachtrag

Als kurzer Nachtrag zu meinem Beitrag über Henri Matisse hier noch ein paar Bemerkungen über Malerei und digitale Kunst. Letztere wird ja von Museen und Galerien noch nicht so anerkannt wie die erstere. Ich meine, es war Markus Lüpertz, der mal gesagt hat, daß der digitalen Kunst das “Gewicht der Zeit” fehlen würde. Das mag sein, aber die digitalen Künstler haben ja – anders als die Maler – nicht von Null angefangen, sondern können (so sie wollen) auf eine Jahrhunderte lange Geschichte zurückblicken und aus dieser ihre Konsequenzen ziehen. Weshalb dem ganz offensichtlich (noch?) nicht so ist, ist mir persönlich ein Rätsel. (Ich habe über dieses Thema ja schon an anderer Stelle geschrieben.) So herrscht – was natürlich andererseits eine hauptsächlich technische Herausforderung ist – in der digitalen Kunst der Fotorealismus vor. Davon, so meine ich, müßte sie (die digitale Kunst) sich freimachen – ein Stück weit wenigstens. Der ganz offensichtlich (oder nicht?) auf der Hand liegende Vorteil wäre eine größere künstlerische Freiheit – Freiheit zum Beispiel wie etwa bei Henri Matisse oder Amedeo Modigliani, um des künstlerischen Ausdrucks willen Proportionen zu verändern. Diese Freiheit muß sich der digitale Künstler aber erst mal nehmen. Ein denkbarer Weg heraus aus diesem Dilemma wäre etwa der, daß bereits etablierte – tja, wie sagt man das? konventionelle? analoge? – Künstler den digitalen Weg gehen und das, was sie sich in dem bisherigen Medium erarbeitet haben, auf das digitale Medium übertragen. Das ist hier vielleicht alles etwas unausgegoren, was ich da schreibe, aber ich hatte jedenfalls das Bedürfnis, diese Gedanken einmal zur Diskussion zu stellen.

Henri Matisse: „La Blouse roumaine“ (1940)

Der 1869 in Le Cateau-Cambrésis geborene und 1953 in Cimiez bei Nizza verstorbene Henri Matisse ist für mich heute, nachdem ich mich seit den frühen Achtzigerjahren mit ihm beschäftige, einer der einflußreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Neben seiner Tätigkeit als Maler ist es vor allem der Zeichner Matisse, der wie kaum ein anderer wußte, mit der Linie zu “spielen”. Auch als Bildhauer hervorgetreten, befinden sich im Besitz der Staatsgalerie Stuttgart vier Bronzeabgüsse ein und derselben Skulptur („Nu de dos I – IV“), die – in zeitlichen Abständen – immer wieder neu bearbeitet und dabei immer weiter abstrahiert wurde.

Dieser Einblick in den künstlerischen Prozeß wird auch in dem hier besprochenen Werk, “La Blouse romaine” (dt.: “Die rumänische Bluse”) deutlich, da Matisse einen Fotografen beauftragt hatte, die verschiedenen Stadien dieses 1939/40 enstandenen Werkes zu dokumentieren.

Das fertige Gemälde befindet sich z. Zt. im Pariser Centre Pompidou. In Ergänzung dessen fünf Schwarz-/Weiß-Fotografien, welche die verschiedenen Stadien (frz.: “Etats”) dieses bekannten Werkes dokumentieren. Ich habe erst gezögert, ob ich aus Platzgründen wirklich alle zehn Fotos veröffenlichen soll, aber meines Wissen ist dieser künstlerische Prozeß – soweit ich jedenfalls gesehen habe – im Internet so noch nicht dokumentiert. So habe ich einen Kompromiß gefunden, indem ich eine Auswahl von fünf Stadien poste.

Im Folgenden eine Auswahl von fünf Stadien, die dieses Werk von der ersten Vorzeichnung bis hin zum schlußendlichen Ergebnis durchlaufen hat.

  1. Stadium:
Photos: Archives Henri Matisse © Succession H. Matisse/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

3. Stadium

Photos: Archives Henri Matisse © Succession H. Matisse/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

9. Stadium:

Photos: Archives Henri Matisse © Succession H. Matisse/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

12. Stadium:

Photos: Archives Henri Matisse © Succession H. Matisse/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Finales Stadium:

Photos: Archives Henri Matisse © Succession H. Matisse/VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Zeichenschulen

Ich muß zugeben, daß ich mit den auf dem Büchermarkt erhältlichen Zeichenschulen so meine Probleme habe. Ein Bekannter von mir, der an einer Waldorfschule Kunst unterrichtet, hat mir mal gesagt, diese Zeichenschulen seien „total unkünstlerisch“, womit ich voll und ganz übereinstimme. Und nicht nur das: Die Autoren dieser Zeichenschulen zeichnen in den (imho absolut geistlosen) Bespielen Linien, die man/frau zuerst mal sehen muß. Ich hatte das Glück, im Stuttgarter „Forum 3“ eine Zeichenlehrerin zu haben, die uns ganz vorsichtig an das Modell (das war ein Kurs über Portrait-Zeichnen) herangeführt hat. Wir durften die „Linie“ erst suchen.

20:28 Uhr

Bin gerade im Kontakt mit dem Nachlaß von Henri Matisse und werde in Kürze einen Beitrag über ihn und seine Kunst schreiben.

Immer noch drückende Schwüle. Habe, was mein neuerworbenes Grafiktablett angeht, noch etwas Berührungsängste bzw. weiß nicht so recht, was ich – außer ein bischen rumzukritzeln – damit machen soll. Ich meine, zeichnen kann ich ja gut, das ist nicht das Problem.

William Turner: „Sonnenuntergang über einem See“

Dieses Landschaftsbild hat William Turner – Jahrzehnte vor Monet – bereits 1840 gemalt. Obwohl erstaunlich abstrakt, hat Turner den Schritt weg vom Gegenstand nie vollzogen; auch bei diesem impressionistisch anmutenden Gemälde bleibt der Bezug zur gegenständlichen Welt bestehen.

William Turner: „Sonnenuntergang über einem See“. Tate Gallery. Copyright erloschen.