Schlaflos in Ludwigsburg (63)

Bin seit etwa zwei Uhr wach und kann nicht mehr einschlafen. Ergo habe ich mir einen Nescafé frappé gemacht, einen Eiskaffee mit Milch. Eigentlich sollte ich ja Nestlé-Produkte boykottieren, aber als Einzelner kann man – bittere Erkenntnis – eh nichts machen. Tja. Ich hatte sogar mal meinen Amazon-Account gekündigt, dann aber gesehen, was für ein Blödsinn das war. Ich finde es eben nicht gut, wenn Leute wie Jeff Bezos $ 171.000.000.000 besitzen und anderswo Menschen an Hunger sterben. Vor zig Jahren hatte ich mal eine Phase, in der ich mich sehr kritisch mit den Zuständen auf unserem Planeten auseinandergesetzt habe: da werden Regenwälder abgeholzt, da sterben gerade in Afrika Menschen an Hunger, da werden in Deutschland Millionen Menschen kaputtgespart (Hartz IV) usw. usf. Habe dann aber gesehen, wie müßig das ist, mich mit so etwas zu beschäftigen. Mir selber geht es eigentlich ganz ordentlich, so daß ich eigentlich keinen Grund habe, mich zu beschweren.

Nichts desto weniger ist es doch bitter, wenn man sieht, wie beispielsweise die neue Bundesregierung nur halbherzig Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreift, wie die Reichen immer reicher werden, wie da groß getönt wird, man wolle Hartz IV hinter sich lassen und das neue Bürgergeld eben immer noch nicht zu einem ordentlichen Leben ausreicht. Ich finde sowas einfach zum Kotzen.

Aufrüstung statt Abrüstung

„Ampel will bewaffnete Drohnen beschaffen“ betitelte Severin Weiland einen heute beim „Spiegel“ erschienenen Artikel. Ich meine, ich bin ja kein Militärexperte, aber meiner Ansicht nach schafft man mit Aufrüstung keinen Frieden. Wo sollen diese bewaffneten Drohnen denn eingesetzt werden? Im Mittleren Osten? Allein im Irakkrieg kamen von 2003 bis 2021 laut Statista insgesamt 204.496 Zivilisten ums Leben. Und wofür? Muß das denn sein? Soll das so weitergehen? Wann hören wir endlich auf, dem Kriegstreiber USA hinterherzulaufen?

Ein Buchtip zum Thema: „Die große Heuchelei“ von Jürgen Todenhöfer.

Ein Zitat:

„»Die große Heuchelei« belegt, was mancher ahnte, aber nie beweisen konnte: Die Menschen des Westens werden in außenpolitischen Fragen systematisch angelogen. Es geht nicht um edle Werte wie Menschenrechte oder Demokratie, sondern um reine Interessen. Um Öl, Waffen, Bündnisverpflichtungen. Da die Bevölkerung bewusst falsch informiert wird, kann sie in der Frage von Krieg und Frieden auch nicht demokratisch mitbestimmen. In der Außenpolitik wird die Demokratie ausgehebelt.“–Jürgen Todenhöfer

Und – damit mir nicht der Vorwurf gemacht wird, einseitig zu sein – eine kritische Bewertung auf Amazon:

„JT ist davon überzeugt, dass der Islam eine friedliche Religion sei und diese in der Vergangenheit sanft zu den Menschen gebracht wurde und nicht Angst und Schrecken in die Herzen der Ungläubigen legte. Ebenso tiefsinnig ist er davon überzeugt, dass die USA schuld an allem seien. Nichts lese ich von islamischen Strafsteuern oder Unterdrückung der Frauen, ein Lobbyist reinsten Wassers spricht zu uns, der die USA für die Schuld an allen Problemen des Islam und im Nahen Osten an den Pranger stellt.“–Happyx

Das mit dem „Kriegstreiber USA“ nehme ich aber nicht zurück. In diesem Zusammenhang kann ich beispielsweise die Lektüre von Noam Chomsky empfehlen.

Utopie?

Habe, um meinen letzten Beitrag zu illustrieren, gerade bei iStock nach einem Foto von Jeff Bezos gesucht, aber leider keins gefunden. Prompt kam mir der Gedanke, wie es wohl wäre, wenn es für Blogger einen Pool an Fotos gäbe, aus dem sie sich kostenlos bedienen könnten. Einzige Bedingung: Das Foto muß unter einer CC-Lizenz gepostet werden.

Amazon

Ein paar Fakten zu Amazon. Als erstes eine Übersicht bei kununu: „Amazon Gehalt: Das verdienen Mitarbeiter“.

Zitat:

„1233 Amazon Mitarbeiter haben auf kununu bereits für Gehaltstransparenz gesorgt. Finde heraus, wie viel du bei Amazon verdienen kannst.“–kununu

Und – nach einem kritischen Artikel über Amazon in der „New York Times“ – der Artikel „Mitarbeiter weinen auf der Toilette“ bei der „Stuttgarter Zeitung“.

Zitat:

„Die „New York Times“ hat mit einem Artikel über das katastrophale Arbeitsklima bei Amazon in ein Wespennest gestochen: Immer mehr Mitarbeiter bestätigen die Kritik – und tausende empörter Kunden haben Firmenchef Jeff Bezos in die Defensive gezwungen.“–Andreas Geldner

01:52 Uhr

Anne Parillaud in „Nikita“ © Copyright 1990 by Gaumont. Mit freundlicher Genehmigung.

Schaue mir gerade auf Amazon Prime Luc Bessons Thriller „Nikita“ (1990; Originaltitel: „La Femme Nikita“) an, den ich wirklich nur empfehlen kann. Die Story: Die Punkerin Nikita (Anne Parillaud) wird wegen Mordes an einem Polizisten verurteilt. Sie bekommt jedoch die Chance, als Profikillerin für die Regierung zu arbeiten. U. a. zeigt Anne Parillaud hier eine beeindruckende Leistung, überzeugt sie doch in der Rolle der chaotischen Punkerin, die sich langsam zur Dame wandelt. In einer Nebenrolle ist übrigens Jeanne Moreau zu sehen.

Email an Amazon

Im Laufe der letzten beiden Tage wurde ich bereist zweimal wegen Bagatellbeträgen von Amazon abgemahnt. Dabei habe ich vorher extra geschaut, ob auf meinem Girokonto auch genügend Deckung vorhanden ist. Ich kann mir nur vorstellen, daß es an den sog. „Vorgemerkten Umsätzen“ lag. Ok, habe das Geld also mit einem Zuschlag von jeweils € 3,- erneut auf das angegebene Konto bei der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG überweisen. Solche Überweisungen dauern laut Amazon zwischen drei und fünf Tagen, bis sie dem Empfängerkonto gutgeschrieben werden. So fand ich es schon etwas merkwürdig, wenn ich noch am selben Tag erneut eine Email bekam, in der ich aufgefordert wurde, Empfängerkonto, Betrag, Betreff und einen Kontoauszug zu schicken. Daraufhin schrieb ich Amazon folgende Email:

„Guten Tag Herr Priebe,

weshalb warten Sie nicht einfach 3 – 5 Werktage, bevor Sie mich erneut abmahnen?  Das Ganze ist doch für € 3,99 viel zuviel Aufwand. Außerdem habe ich noch keinen Kontoauszug, auf dem der betreffende Betrag gebucht wurde. Mein letzter Kontoauszug datiert vom 3. April d. J.. Ich habe Ihnen den Betrag von € 3,99 auf das in Ihrer vorletzten Email angegebene Konto bei der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG überwiesen. Ich könnte Ihnen lediglich einen Screenshot des Kontos zumailen, aber das wollen Sie ja nicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Claus Cyrny“

Bin nun mal gespannt, wie die Reaktion ist.

04:38 Uhr

Bin heute – für mich relativ spät – kurz nach vier Uhr morgens aufgewacht und habe schon die zweite Zahlungserinnerung von Amazon bekommen, obwohl ich der Meinung war, daß auf meinem Girokonto genügend Deckung vorhanden sei. Es geht dabei auch nur um Bagatellbeträge – € 0,99 und € 1,29 – für Downloads von MP3s von Django Reinhardt. Dachte zuerst, diese Erinnerungen wären Spam, habe dann aber nach Prüfung die fraglichen Beträge überwiesen, da auch meine Bank mir zwei PDFs über nicht ausgeführte Abbuchungen zugemailt hat. Muß aufpassen, daß ich nicht zuviel Kaffee trinke, auch wenn es sich dabei lediglich um vergleichsweise schwachen Milchkaffee handelt. Höre, was um diese Zeit sehr entspannend ist, „I Love You (For Sentimental Reasons)“ (1947) von Django Reinhardt.

04:21 Uhr

Habe mir gerade von Amazon den wunderschönen „Troublant Boléro“ heruntergeladen, den Django Reinhardt zusammen mit Stéphane Grappelli und einer italienischen rhythm section Anfang 1949 in Rom aufgenommen hat – wie ich finde, eine der schönsten Aufnahmen von dieser Session.

Cover von „Djangologie 1949“

Von diesem Boléro gibt es übrigens eine Live-Aufnahme von 1951 mit Sinfonieorchester unter Leitung von Wal-Berg.