Die Ampel

Foto von Markus Spiske auf Unsplash. Modifikationen von mir.

Immer öfter lese ich, daß die Maßnahmen der Ampel nicht ausreichen, um das in Paris festgelegte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen:

„Es tut so weh: Ein Koalitionsvertrag, der offensichtlich mehr schafft als noch in den letzten Wochen möglich schien, so viel mehr leistet als die letzte Regierung, aber der immer noch an der 1,5 Grad Grenze scheitert. So darf dieser Vertrag nicht umgesetzt werden. Sorry.“–Pauline Brünger auf Twitter.

Mein Eindruck: Die Ampel redet zwar von „Veränderung“, aber man will möglichst keinem weh tun, und so wird das eben nichts.

Die Ampel und die Reaktion

Klima-Demo. Foto © Copyright Carla Reemtsma. Mit freundlicher Genehmigung.

Nach den halbherzigen Bekundungen der Ampel-Koalition und der Abkehr von einem Tempolimit1 kann die Reaktion der Klima-Bewegung nicht ausbleiben. Insbesondere von den Grünen bin ich (als Grünen-Wähler) doch maßlos enttäuscht.

1 Dadurch würden nicht nur 2 Millionen Tonnen CO2 eingespart, es könnten auch soundso viele – genaue Zahlen liegen mir leider nicht vor -Verkehrstote vermieden werden, aber vor dieser Verantwortung drückt sich die Ampel ja.

Beim Statistischen Bundesamt habe ich doch ein paar Zahlen von 2018 entdeckt.

Zitat:

„Nicht angepasste Geschwindigkeit [ist] für 46 % der Verkehrstoten auf Autobahnen mitverantwortlich.“–Statistisches Bundesamt

Und:

„Im Jahr 2018 sind bei Unfällen auf den deutschen Autobahnen 424 Menschen ums Leben gekommen.“–Statistisches Bundesamt

46% – das wären genau 195,04 Tote, von denen viele noch leben könnten, gäbe es ein Tempolimit. Wie soll man einer Bundesregierung vertrauen, die – das haben wir ja der FDP zu verdanken – so über Leichen geht? Bei dieser Gelegenheit kann ich nur darauf hinweisen, sich genau anzuschauen, was die neue Bundesregierung im Bereich Rüstung/Abrüstung machen wird. Obwohl im Koalitionsvertrag etwas von „Abrüstungsoffensive“ (S. 145) steht, sollen gleichzeitig Kampfdrohnen angeschafft werden. Echte Abrüstung sieht einfach anders aus – sorry.

Ausweichmanöver (2)

Schaue mir gerade das YouTube-Video „Grüne Kompromisse: Hauptsache Macht?“ von der Redaktion von „Monitor“ an, aber was passiert gleich zu Anfang, als die Grüne Lisa Badum vom Moderator etwa gefragt wird („Haben Sie denn eine Erklärung dafür?“)? Sie weicht aus („Ja, ich freue mich, daß ich mit Ihnen sprechen kann blah blah blah.“), und als der Moderator nachhakt, weicht sie nochmals aus1. Solchermaßen gleich am Anfang frustriert, mag ich mir das Video gar nicht bis zu Ende anschauen, wäre da nicht Carla Reemtsma von Fridays for Future, die ich mir doch gerne anhören würde.

1 Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Ich meine, mich nämlich zu erinnern, daß – ja, genau, das war im Triell – Annalena Baerbock genau dasselbe gemacht hat. Tut man sich bei den Grünen mit der Wahrheit so dermaßen schwer? Aber auch der neue Kanzler Olaf Scholz hat – das war ebenfalls im Triell – auf eine zugegebenermaßen unbequeme Frage von Armin Laschet gleich mit einem Gegenangriff geantwortet. Ist das der Stil, in dem das weitergehen soll?

Klimaziele der Ampel

„Studie warnt vor Verfehlen der Klimaziele“ titelt die Tagesschau.

Zitat:

„Die Klimaschutz-Pläne der neuen Bundesregierung reichen bei weitem nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die dem SWR vorab vorliegt.“–Marcel Kolvenbach

Und:

„Nach den vorliegenden aktuellen Daten zum CO2-Ausstoß und verschiedenen Modellierungen der Reduzierung der Emissionen ergeben sich laut Studie 2030 und 2035 als Referenzjahre zum Erreichen der CO2-Neutralität. „Die Maßnahmen des Koalitionsvertrags lassen eine Kohlendioxidneutralität bis 2045 möglich erscheinen, nicht aber das Einhalten des Pariser Klimaschutzabkommens“, sagt Volker Quaschning dem SWR.“–Marcel Kolvenbach

Das hatte ich mir irgendwie gedacht. Neuaufbruch und Konsequenz sehen eben anders aus. Das ist wohl insbesondere dem Fortschrittsbremser FDP zu verdanken, oder?

Schlaflos in Ludwigsburg (30)

Dsa ist der 30. Beitrag zum Thema. Die Ampel beschäftigt mich immer noch. Nachdem ich bei der Wahl noch ganz enthusiastisch war, hat sich inzwischen Ernüchterung und Enttäuschung breitgemacht1. Auch empfinde ich die Reden der Ampel-Mitglieder auf der Pressekonferenz zum Koalitionsvertrag aufgesetzt, berechnend und unnatürlich. Das muß doch auch anders gehen – oder? Irgendwie empfinde ich das als „sprechpuppenhaft“. Hier hätte ich mir mehr Authentizität und Engagement gewünscht.

Und: Die „Tagesschau“, ja, die „Tagesschau“. Auch hier dieses emotionslose („neutrale“) Gerede. Objektivität und Neutralität – geht das überhaupt? Oder bin ich da zu anspruchsvoll?

Habe mir mit meiner letzten Milch einen Milchkaffee gemacht und kann mich einfach nicht dazu entschließen, wieder ins Bett zu gehen.

Es ist inzwischen 02:43 Uhr, und eigentlich sollte ich doch noch etwas schlafen.

1 Seht hierzu bitte auch folgende Beiträge.

Mehr Fortschritt wagen?

Unter dieser Überschrift, die ja auch das Motto der Ampel ist, meine neuesten Gedanken zum Thema. Das, was da im Koalitionsvertrag steht, hört sich auf den ersten Blick so positiv an, aber – gehört sowas überhaupt in einen Koalitionsvertrag? – es fehlt mir an authentischer Selbsterkenntnis, etwa, daß Hartz IV ein Fehler war und daß man Millionen von ALG-II-Bezieher nicht mehr kaputtsparen will. Da wird von Abrüstung gesprochen, obwohl unlängst erst eine Erhöhung des Verteidigungshaushalts um 5% beschlossen wurde. Will die Ampel das wieder zurücknehmen? Und so geht es weiter. Summa summarum: Es fehlt mir an Authentizität. Ehrlichkeit geht anders.

Schlaflos in Ludwigsburg (25)

Es ist 01:20 Uhr. Versuche, mir darüber klar zu werden, wie der Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP auf mich wirkt. Irgendwie erscheint er mir zu positiv, so als wäre Deutschland ein Wolkenkuckucksheim. Hmmm, kann das sein? Ansonsten: Milchkaffee, wie üblich um diese Zeit. Am 18.11. kam mein zweiter Artikel für die Zeitschrift LinuxUser heraus, in dem es um „Chroma Keying mit dem Gimp“ geht.