Jürgen Wolf: „Gimp 2.10“

Habe mir nach meiner Kritik an Büchern über den Gimp heute in der Stuttgarter Buchhandlung „Wittwer“ nochmal Jürgen Wolfs im renommierten Rheinwerk-Verlag erschienenes Buch „Gimp 2.10“ durchgeschaut und muß zugeben, daß ich mit meiner Kritik deutlich zu hart war. Ich muß auch zugeben, daß sich der Autor da immens viel Mühe gegeben hat. Die wichtigsten Features des Gimp 2.10 werden gut und kenntnisreich erklärt. Ok, es ist nichts zum Auskeyen mittels gimp-gap zu lesen, aber darauf muß man/frau auch erst mal kommen. Mir persönlich war lange auch nicht klar, daß es sich bei der Bluebox... um einen gar nicht schlechten Chroma-Keyer handelt. Anyway, hier jedenfalls eine ehrlich gemeinte Entschuldigung. Bin auch froh, daß ich das zugeben darf und dieses immerhin stolze 923 Seiten umfassende Buch doch nicht so schlecht ist. 😉

Grenzen

Fehler beim Auskeyen eines Fotos. Software: Gimp 2.10.18.

Wie in obigem Bild unschwer zu erkennen, stößt auch die im Gimp verfügbare Bluebox... hier an ihre Grenzen. Da müßte man/frau schon so einen guten Chroma-Keyer wie Ultimatte haben. Die Bluebox... setzt allerdings die Installation des Pakets gimp-gap voraus. Aufgerufen werden kann dieser gar nicht so schlechte Chroma-Keyer dann über Video > Bluebox....

GINP

GINP ist kein Schreibfehler; es steht für Gimp Is Not Photoshop. Während die Redaktion von Chip.de über den Gimp schreibt

„Zeichnete sich die Open-Source-Software früher noch durch ein recht eigenwilliges Interface aus, so können Sie mittlerweile Photoshop recht genau nachbauen.“—Chip-Redaktion

so halte ich das für ein grundsätzliches Mißverständnis. M. E. will der Gimp gar kein – und schon gar kein zweitklassiger – Ersatz für Photoshop sein – Einfenster-Modus hin oder her. Und mit dem von der Chip-Redaktion favorisierten Theme „Dark“ komme ich persönlich nur sehr schwer zurecht.

Screenshot: Der Gimp 2.10.18 mit dem Theme „Dark“.

Wo Photoshop m. E. punktet, ist z. B. die Druckvorstufe. Da kann der Gimp einfach nicht mithalten, ist doch CMYK-Unterstüzung im Gimp praktisch nicht vorhanden. Dagegen hat Photoshop keinen Chroma-Keyer, und 3D-Text gestalte ich ehrlich gesagt lieber im Gimp. Darüber hinaus ist das Interface des Gimp von der Philosophie her einfach flexibler und kann viel weitergehender angepaßt werden als in Photoshop.

Und dann ist da natürlich noch der Kostenfaktor. Ich möchte an dieser Stelle auch meiner Meinung Ausdruck geben, daß ich das Abo-Modell von Adobe nicht so gut finde. So werden nur Abhängigkeiten erzeugt, und darüber hinaus ist mir das einfach zu teuer.

Summa summarum komme ich mit dem Gimp so gut zurecht, daß ich wirklich gern mit ihm arbeite – Photoshop hin oder her.

Freistellen ist out

Mit der Bluebox ausgekeyter Hintergrund. Originalfoto: https://www.3d.sk.

Ja?, werden manche sagen? Yep! Jetzt ist nämlich Chroma-Keying mit der mittels gimp-gap in den Gimp integrierbaren Bluebox angesagt. Da gehört mühseliges Freistellen der Vergangenheit an. Was in der Post-Production und im Fernsehen schon lange üblich ist, kann auch mit dem Gimp erreicht werden, genauer gesagt über das nachträglich zu installierende Paket gimp-gap. Spätestens hier wird klar, daß der Gimp wirklich nicht ohne ist, unterstützt beispielsweise Photoshop Chroma-Keying m. W. nicht, jedenfalls nicht ohne Plug-in.

Nach erfolgter Installation kann der Chroma-Keyer mittels Video > Bluebox... aufgerufen werden. Dann am besten mit den Einstellungen herumprobieren, bis man/frau die entsprechenden Erfahrungswerte gesammelt hat. That’s it!

Weiterführender Link: Mein Beitrag „Gimp 2.10.18: Figur freistellen (2)“.

Nochmal: Freistellen im Gimp 2.10.18

Aneta freigestellt. © Copyright 2020 by Claus Cyrny. Originalfoto von 3d.sk.

An dieser Stelle möchte ich nochmal auf meinen voriges Jahr geposteten Beitrag „Gimp 2.10.18: Figur freistellen“ hinweisen. Sauberes Freistellen geht eben nicht nur in Photoshop. Nachdem ich zuerst ein Tutorial der Buchautorin Bettina K. Lechner durchprobiert habe, konnte ich dann aber doch erst mit der Bluebox... des Gimp zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Die Bluebox...– zu finden bei installiertem Paket gimp-gap unter Video > Bluebox... – ist ein sogenannter Chroma-Keyer, der zwar sauber freistellt, aber nur gut bei einem einfarbigen Hintergrund – üblicherweise einem Bluescreen oder Greenscreen – funktioniert.

Gimp-Buch?

Nach meinem vor ein paar Tagen geposteten und zugegebenermaßen kritischen Beitrag „Bücher über den Gimp“ spiele ich mit dem Gedanken, das Buch zum Gimp zu schreiben, das die ganzen Klischees, die in diesem Bereich üblich sind, souverän hinter sich läßt. Dieses – noch hypothetische – Buch wäre ein einem – bei dieser Art von Büchern eher unüblichen – sehr persönlichen Stil verfaßt und würde all‘ das enthalten, was bei den derzeit im Handel erhältlichen Büchern zum Thema fehlt. Ich spiele mit dem Gedanken, hier einen ersten Entwurf von, sagen wir, einer Probeseite zu posten.

Weiterführender Link: Mein Beitrag zum imho kaum, wenn überhaupt behandelten Thema „Chroma-Keying mit Gimp GAP“.

Zum Gimp 2.10

Möchte an dieser Stelle mal wieder eine Lanze für den Gimp brechen, der von seinem Potential imho sehr unterschätzt wird, zumal er seit der Version 2.10 ja auch 16- bzw. 32-bit Farbtiefe pro Kanal unterstützt. Meiner Erfahrung nach – und ich benutze den Gimp nun schon seit über neunzehn Jahren – ist er eben nicht nur ein Werkzeug für Hobby-User. Ich muß gestehen, daß ich den Gimp intuitiver (!) finde als beispielsweise Photoshop; auf die Kontroverse „Gimp vs. Photoshop“ möchte ich hier gar nicht näher eingehen.

Der Gimp und intuitiv?, werden manche jetzt sagen. Yep! Nur zwei Beispiele: Zoomen geht mit dem Gimp ganz einfach über die Tasten + und -, und auch das Handling von Pfaden ist meiner Meinung nach im Gimp besser gelöst als in Photoshop, auch wenn die Kontrollpunkte der Pfade in Photoshop feiner ausgelegt sind als im Gimp. Zudem kann man/frau im Gimp eigene Shortcuts (Tastaturkürzel) anlegen, die das Arbeiten z. T. deutlich beschleunigen. Das geht in Photoshop zwar auch, aber irgendwie – zugegebenermaßen sehr subjektiv – ist mir hier der Gimp sympathischer.

Dann ist das Interface des Gimp weitgehend konfigurierbar (geht über Bearbeiten > Einstellungen > Interface); so hat es – was ich jedoch, an die zwei bis drei Fenster gewöhnt, als unflexibel empfinde – beispielsweise einen Einfenster-Modus (Fenster > Einfenster-Modus). Und: Sämtliche Funtionen des Gimp können über einen einfachen Rechts-Klick aufgerufen werden.

Und – bevor ich’s vergesse: Der Gimp hat über das nachträglich zu installierende Paket gimp-gap einen sogenannten Chroma-Keyer (siehe auch hier) implementiert, mit dessen Hilfe einfarbige Hintergründe entfernt werden können. Aufgerufen wird dieser Chroma-Keyer über Video > Bluebox.... Bei Photoshop geht das zwar auch, etwa über das AdvantEdge-Plug-in von Ultimatte, das kostet aber – und nicht zu knapp.

Eine Schwäche des Gimp – hier ist Photoshop klar im Vorteil – ist beispielsweise die Unterstützung von CMYK, und auch das Anti-Aliasing („Glätten“) ist in Photoshop besser. Und dann ist da noch das unkomfortable, sehr (!) verbesserungswürdige Textwerkzeug des Gimp.

Summa summarum möchte ich an dieser Stelle aber doch eine klare Empfehlung für den Gimp aussprechen. Ich habe zwar auch – via Wine – Photoshop CS2 installiert, arbeite aber kaum damit, weil mir der Gimp einfach lieber ist.

Natron: Chroma-Keying

Vor einigen Wochen bin ich auf der Suche nach einer freien Compositing-Software auf Natron 2 gestoßen, weil ich hoffe, da einen besseren Chroma-Keyer zu finden als in Blender. Unten eine Einführung ins Keying mit Natron. In der Natron-Doku ist die betreffende Seite aber leider noch leer.

Der Keyer in Natron:

Der Chroma-Keyer in Natron 2.3.15

Und: Das oben erwähnte Tutorial (englisch) zu Chroma-Keying in Natron:

P. S.: Habe jetzt im Reference Guide von Natron doch etwas zum Thema „Chroma-Keying“ entdeckt.

Was ist Chroma-Keying?

Chroma Keying: Links die Frau mit Greenscreen, rechts ausgekeyt. Quelle: Wikimedia Commons. PictureYouth / CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0).

Das sogenannte Chroma-Keying wird dazu benutzt, ein Objekt vor einem einfarbigen – meist blauen oder grünen – Hintergrund freizustellen und dann einen anderen Hintergrund einzufügen. Diese Technik kommt entweder beim Film in der Post-Production oder auch beim Fernsehen vor. Wichtig ist, daß der zu ersetzende farbige Hintergrund möglichst gleichförmig ausgeleuchtet wird. Fortgeschrittene Chroma-Keyer wie Ultimatte können sogar Schatten übernehmen. Man/frau unterscheidet Chroma-Keying per Hardware oder Software. Von Ultimatte gibt es beides: Neben (relativ teuren) Hardware-Lösungen gibt es auch Plug-ins (AdvantEdge) für verschiedene Post-Production-Software und sogar ein Plug-in für Photoshop. Letzteres wird einfach in den Plug-in-Ordner von Photoshop kopiert. Auch das 3D-Programm Blender hat einen Chroma-Keyer implementiert, und zwar als Node bzw. eigentlich als eine Kombination aus mehreren Nodes in der Compositing-Ansicht.