Stagnation (2)

Ein wie ich finde entscheidender Faktor für die musikalische Stagnation, die wir gerade erleben, ist die Tatsache, daß die Künstler nicht mehr experimentieren, sondern auf Nummer Sicher gehen, auf „erprobte Formeln“ á la Max Martin setzen – was aber für jeden Fortschritt absolut tödlich ist. Man nehme nur das Gegenbeispiel der Beatles, die von Album zu Album immer ausgeklügeltere Ideen umgesetzt haben, von dem eingängigen, aber relativ unkomplizierten „She Loves You“ bis hin etwa zu „Revolver“ (1966) oder „Sgt. Pepper“ (1967). Das fehlt heutzutage eben.

Über Kreativität

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Wenn Kreativität über die Zeit – was ich hier mal annehme und was natürlich durchaus angreifbar ist – in Form einer Sinuskurve verläuft, so befinden wir uns derzeit definitiv in einer Talsohle. Am augenfälligsten in der Pop-Musik, beobachte ich diese Stagnation auch in anderen Bereichen wie dem Film oder den bildenden Künsten. Ich meine, was gibt es da denn wirklich Neues (von Herausragendem will ich hier gar nicht reden)?

Weiterführende Links zum Thema: Meine Beiträge „Stagnation“ und „14:10 Uhr“.

Abgekupfert

Als ich heute morgen bei meiner Nachbarin war, lief kurz vor halb acht in der „Morning Show“ des SWR3 auf einmal ein Stück1, bei dem ich sofort dachte: Das kenne ich doch!, nur um gleich darauf zu realisieren, daß das Stück verblüffende Ähnlichkeit mit „Time of the Season“ (1968) von den Zombies hatte. War das am Ende etwa eine Cover-Version? Aber nein, bei näherem Zuhören wurde mir bewußt, daß die einfach bei den Zombies abgekupfert hatten, und zwar nicht zu knapp. Fällt denen denn heutzutage gar nichts mehr ein?, frage ich mich da im Stillen. Ich habe ja für mich die These aufgestellt, daß wir uns derzeit – und nicht nur in der Pop-Musik – in einem kreativen Tief befinden (seht dazu auch folgenden Beitrag).

1 Wie ich dank der Playlist der „Morning Show“ herausgefunden habe, handelt es sich bei dem fraglichen Stück um „Give It To Me Right“ (2009) von Melanie Fiona. Etwas mehr dazu habe ich hier (englisch) entdeckt. Dabei ist es m. W. durchaus legal, soundso viele Sekunden aus einem anderen Stück zu sampeln. Ich erinnere mich vage an einen Rapper, der den Anfang von „For What It’s Worth“ von Buffalo Springfield – ähem – „gesampelt“ hat. „Abgekupfert“ ist ja so ein böses Wort. 😉