In Stuttgart (8)

Während ich gestern abend in Stuttgart auf einer Vernissage war, habe ich erfreut bemerkt, daß man/frau endlich wieder draußen sitzen und was essen oder trinken kann. Der ganze Schloßplatz hat vor Leben regelrecht pulsiert, ob das die Terrasse von dem Kunstmuseum war oder der Starbucks nebenan. An der Calder-Plastik ein junger Mann (religiös???), der irgendwas laut rumgeschrieen hat. Das Kunstmuseum war um diese Zeit – kurz vor halb acht Uhr abends – ungeachtet der Vernissage überraschend schwach besucht. Vielleicht mache ich mal bei schönem Wetter am Samstagabend einen Abstecher nach Stuttgart.

Gedanken zum heutigen Tag

Da seit Montag der Bäcker und Konditor Trölsch sein Café wieder geöffnet hat, war ich schon ein paarmal einen Cappuccino mit Sahne trinken. Ich bin auch zu dem Schluß gekommen, daß ich mein neuestes Relief doch rahmen lassen will, wei das auf den Monat umgerechnet nur knapp drei Cappuccinos sind, und das kann ich wirklich verkraften. Die Klientele um den Ludwigsburger Busbahnhof ist mir ehrlich gesagt alles anderen als sympathisch, insbesondere eine Gruppe von Männern, die da jeden Tag nachmittags auf einer bestimmten Bank sitzen und sich heruntersaufen. Ergo bin ich doch froh, wenn ich wieder in meinem Apartment bin. In absehbarer Zeit werde ich ja meinen Mini-Verstärker wiederbekommen, einen Nobels „Streetman 10“, der wider Erwarten doch noch funktioniert und in den ich mit Hilfe von Carlos vom Stuttgarter „American Guitar Center“ einen Bleigel-Akku eingebaut habe.

Als ich noch in Stuttgart gewohnt habe, habe ich ein paarmal auf der Königstraße bzw. dem Schloßplatz vor dem Kunstmuseum Straßenmusik gemacht, aber kaum etwas eingenommen. Die eine Brezel-Verkäuferin beim „Wittwer“ hat mich später immer wieder gefragt, ob ich denn mal wieder spielen würde, was ich jedesmal verneinen mußte. Jetzt, wo ich in Ludwigsburg wohne, wäre es auch zu kompliziert, mit Gitarre und Verstärker nach Stuttgart zu fahren; abgesehen davon habe ich mein „Wägelchen“ aus verchromtem Stahlrohr nicht mehr. Dafür kann ich dann aber bald mit meiner E-Gitarre im Innenhof neben unserem Apartmenthaus spielen.

Hermann Stenner: „Selbstportrait“

Als ich das letzte Mal im Stuttgarter Kunstmuseum war, ist mir folgendes, malerisch wirklich sehr schöne Selbstportrait des 1914 leider viel zu früh verstorbenen Malers Hermann Stenner (* 1891) aufgefallen, und ich fand es so schön, daß ich es unbedingt fotografieren mußte.

Hermann Stenner: „Selbstportrait“. Kunstmuseum Stuttgart. Copyright erloschen. Foto von mir.

Adolf Hölzel

Adolf Hölzel: „Heilige Ursula“ 1914/15. Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Stuttgart.

Der 1853 – im selben Jahr wie Ferdinand Hodler und Vincent van Gogh – in Ölmütz/Mähren geborene Adolf Hölzel ist einer meiner Lieblingsmaler und das obige Gemälde eines meiner Lieblingswerke von ihm. Viel zu wenig bekannt, ging dieser Wegbereiter der abstrakten Malerei – seine „Komposition in Rot I“ entstand bereits 1905 – nach dem Kunststudium nach Dachau, wo er unter anderem als Lehrer wirkte. Ebenfalls im Jahre 1905 wurde Hölzel nach Stuttgart an die Königlich Württembergische Kunstakademie berufen, wo er bis 1918 lehrte. Zu seinen Schülern gehörten Ida Kerkovius, Willi Baumeister und Oskar Schlemmer. Neben seiner Lehrtätigkeit ist noch der im Besitz der Stuttgarter Staatsgalerie befindliche kunsttheoretische Nachlaß zu erwähnen. Hier setzte sich Hölzel auch theoretisch mit den Fragen des künstlerischen Schaffens auseinander.

Hier ein Auszug:

Ein Blatt aus Adolf Hölzels kunsttheoretischem Nachlaß.

Adolf Hölze verstarb 1934 und wurde auf dem Stuttgarter Waldfriedhof beigesetzt.

Weiterführender Link: Die Website der Adolf-Hölzel-Stiftung.